Basiert auf meinen Videos: SLOG3 Tutorial richtig nutzen und SLOG3 Rauschen vermeiden & richtig belichten
Du drehst in S-Log3 und dein Bild sieht aus wie mit Sand bestreut. Ich zeig dir gleich, dass das fast nie an der Kamera liegt, sondern an einer einzigen Sache: du belichtest zu dunkel. Wenn du diese Einstellungen einmal richtig setzt, ist das Rauschen weg.
Warum rauscht S-Log3 überhaupt?
S-Log3 rauscht, weil du unterbelichtest. Das Profil ist belichtungshungrig. Es speichert sehr flache Farben, also viele Farbinformationen, aber wenig Kontrast und Sättigung. Sieht im Sucher grau und lasch aus, ist so gewollt.
Das Problem kommt später. In Premiere Pro ziehst du Kontrast und Sättigung hoch, damit das Bild lebt. Dabei wird auch die Belichtung nach unten korrigiert. Und wenn du zu dunkel gedreht hast, holst du beim Aufhellen genau das Rauschen aus den Schatten, das vorher kaschiert war. Bei normalen Profilen wie S-Cinetone passiert das kaum, weil die Kamera dort selbst schon belichtet und du in der Post kaum Hand anlegen musst. Bei S-Log3 musst du das aktiv verhindern.
Der Fix ist unbeqüm, aber simpel: du belichtest über. Nicht ein bisschen, sondern spürbar. Alles Weitere unten ist nur Handwerkszeug, um diese Überbelichtung sauber zu kontrollieren.
Brauchst du eine 10-Bit-Kamera für S-Log3?
Ja, dreh S-Log3 nur mit einer 10-Bit-Kamera. Eine 10-Bit-Kamera speichert deutlich mehr Farbinformationen als eine 8-Bit-Kamera, und genau die brauchst du beim Graden von flachem Log-Material. 10-Bit sind zum Beispiel Sony A7S III, ZV-E1, A6700, ZV-E10 II und FX3.
Hast du eine 8-Bit-Kamera wie die ZV-E10 Mark I oder die A7 III, ist S-Log3 ein Krampf. Dann nimm lieber S-Log2 oder gleich HLG3. Wie du HLG3 sauber belichtest und gradest, hab ich in meinem Guide zu HLG3 an 8-Bit-Sony-Kameras Schritt für Schritt gezeigt. Das ist für 8-Bit-Sensoren oft der bessere Weg.
Das richtige Picture Profile einstellen
Stell im Menü unter Color / Color and Tone das Picture Profile so ein: Gamma auf S-Log3, Color Mode auf S-Gamut3.Cine. An der ZV-E1 sitzt das meist auf PP6, an der A7S III und FX3 auf PP8. Die Nummer ist egal, die beiden Werte darunter zählen.
Wichtig ist S-Gamut3.Cine, nicht das normale S-Gamut3. Der Cine-Farbraum lässt sich in der Post einfacher graden. Falls in deinem Profil komische Werte stehen, geh ganz runter auf Reset. Dann steht wieder der Sony-Standard drin und du fängst sauber an. Was die einzelnen Profile bei Sony genau machen, hab ich in meinem Artikel zu den Sony Picture Profiles auseinandergenommen.
Wie belichtest du S-Log3 richtig?
Belichte S-Log3 so, dass dein Metering Mode auf +1.7 bis +2.0 steht. Der Metering Mode, unten im Display als M.M abgekürzt, zeigt dir auf einen Blick, ob du für S-Log3 hell genug bist. Stell ihn vorher auf Multi.
Bei einem normalen Profil wie Standard oder S-Cinetone willst du 0.0. Bei S-Log3 ist 0.0 zu dunkel und du landest im Rauschen. Deshalb peilst du hier bewusst einen Pluswert an. Ein Wert von +2.0 heißt: die Szene ist für die Kameraautomatik überbelichtet, für S-Log3 aber genau richtig.
Blinkt der Metering Mode bei +2.0, heißt das nicht automatisch, dass du clipst. Es heißt nur: aufpassen. Die Kamera weiß nicht, was dein Motiv ist. Filmst du zum Beispiel schräg gegen den Himmel und im Bild ist ein Gesicht, denkt die Automatik du seist überbelichtet, obwohl dein Gesicht sauber sitzt. Ob wirklich etwas kaputtgeht, verraten dir erst Zebras und Histogramm.
Zebras richtig einstellen: 70 und 94+
Leg dir zwei Zebra-Werte auf Custom-Speicher: einen auf 70 für Hauttöne, einen als Lower Limit auf 94+ als Clipping-Warnung. Zebras sind das schnellste Werkzeug, um Überbelichtung direkt im Bild zu sehen. Du findest sie unter Color, Punkt 6, Zebras Display.
- Custom 1: Standard, Level 70, ±5. Damit zeigt die Kamera Zebras zwischen 65 und 75. Hauttöne sitzen genau dort gut. Bei 70 glänzt nichts aus und die Haut ist nicht überbelichtet. Siehst du auf dem Gesicht Zebras bei 70, ist es dir dort zu hell.
- Custom 2: Lower Limit, 94+. Nicht 100 nehmen. Die Dynamic Range reicht von 0 bis 100. Was über 100 geht, klippt, und geklippte Highlights sind für immer weg, die rettest du in der Post nicht mehr. 94+ ist dein Sicherheitspuffer: siehst du diese Zebras, bist du noch knapp in der Range, aber nah an der Kante.
In der Praxis schaltest du zwischen den beiden Werten hin und her. Zuerst 94+ prüfen, ob das Gesamtbild irgendwo clippt. Dann 70 prüfen, ob dein Gesicht im Hautton-Fenster liegt.
Wie liest du das Histogramm bei S-Log3?
Nutz das Histogramm als zweite Kontrolle: du willst den Ausschlag eher rechts (ETTR), aber ohne die rechte Kante zu berühren. Das Histogramm zeigt dir als weißen Berg, wo deine Werte liegen. Links sind die Schatten, rechts die Highlights.
Klebt der Berg links, spricht man von ETTL, exposed to the left. Dann sitzt zu viel im Dunkeln und du verlierst Schatten-Informationen. Für maximale Dynamic Range willst du das Gegenteil, ETTR, exposed to the right, den Berg also weiter nach rechts schieben. Berührt er dabei die rechte Wand, clipst du und Farben brechen weg. Solange der Berg rechts nicht an die Decke knallt, bist du safe.
Das ist auch der Grund, warum ein blinkender Metering Mode allein nichts sagt. Sitzt dein Berg mittig und rechts sauber, obwohl die Anzeige blinkt, ist alles gut. Zebras und Histogramm zusammen sind die Wahrheit, die Belichtungsanzeige ist nur der erste Hinweis.
Welchen ISO-Wert nimmst du bei S-Log3?
Bleib auf dem Base-ISO deiner Kamera, denn Sony-Kameras mit Dual Base ISO haben genau zwei ISO-Werte mit minimalem Rauschen. Zwischen diesen beiden Punkten steigt das Rauschen an, am zweiten Base-Wert ist es wie von Geisterhand wieder weg.
| Kamera | Erster Base ISO | Zweiter Base ISO |
|---|---|---|
| Sony ZV-E1 / A7S III / FX3 | 640 | 12.800 |
| Sony A7 IV | 800 | 3.200 |
Konkret heißt das: von 640 bis etwa 1.250 kannst du bedenkenlos hochgehen, das rauscht kaum. Musst du aber Richtung 3.200 (bei ZV-E1/A7S III), dann spring lieber direkt auf 12.800. Klingt verrückt, aber der zweite Base-Wert ist sauberer als die Werte knapp darunter. Kurz vor 12.800, also irgendwo bei 11.000, rauscht es am heftigsten.
Finger weg von den erweiterten ISO-Werten mit dem weißen Balken über und unter der Zahl. Die bringen zwei Probleme: die Zebras funktionieren nicht mehr, und du hast weniger Dynamic Range, clipst also viel früher. Gerade wenn du später mit Softboxen arbeitest, merkst du das sofort.
Mehr Licht ins Bild bekommen
Belichtest du außen zu dunkel, dann füg Licht hinzu, statt den ISO hochzuprügeln. Anfänger drehen bei Lichtmangel oft ISO 25.600 auf und wundern sich übers Rauschen. Es gibt drei bessere Hebel:
1. Softbox oder externe Lichtquelle. Für sauberes S-Log3-Footage führt an gutem Licht kaum ein Weg vorbei. Wo du die Softbox hinstellst, macht mehr aus als die Kamera. Details dazu in meinem Artikel zum Softbox-Positionieren. 2. Objektiv mit großer Blendenöffnung. Also ein niedriger F-Stop. Ich dreh oft mit dem Sigma 24-70mm f2.8, das lässt schon ordentlich Licht rein. Ein f1.4 lässt nochmal deutlich mehr durch. Zwischen f4 und f1.4 liegen Welten, f4 wird schnell zu dunkel. Übrigens: beim reinen Lichteinlass macht es keinen Unterschied, ob APS-C oder Vollformat. 3. ND-Filter für Run and Gun. Draußen hast du oft zu viel Licht, nicht zu wenig. Dann stellst du deine Blende so ein, wie du sie kreativ willst, und regelst die Helligkeit vorne am variablen ND-Filter runter. So bleibst du in der Range, ohne das Histogramm zu killen.
Rauschen in der Postproduktion vermeiden
Auch beim Graden kannst du dir Rauschen einfangen, also geh in der Post vorsichtig mit Schatten und Belichtung um. Zwei Regeln:
- Zieh die Schatten (Shadows) nicht stark hoch. Genau da sitzt das Rauschen. Ein bisschen am Regler spielen ist okay, aber wer die Schatten aggressiv aufreißt, holt sich Grieß ins Bild. Bei S-Log3 willst du eher mehr Schatten und die Highlights leicht runter, nicht andersrum.
- Heb den Exposure-Wert nicht extrem an. Wenn du in der Post viel aufhellen musst, hast du beim Dreh zu dunkel belichtet. Deshalb der ganze Aufwand vorher.
Ist trotzdem Rauschen drin, etwa aus einem Kunden-Interview, das du nicht mehr nachdrehen kannst, hilft ein Entrausch-Plugin wie Neat Video. Kostet um die 100 Euro und rettet dir im Zweifel den Allerwertesten. Wie du Log-Footage in Premiere Pro sauber gradest, hab ich im Guide zur Postproduktion in Premiere Pro gezeigt.
Und ein letzter Trick, der oft übersehen wird: dreh immer in 4K, selbst wenn du in 1080p ausspielst. Kameras mit hoher Auflösung wie die A7 IV samplen ein 7K-Signal auf 4K runter. Dabei wird nicht nur das Bild schärfer, auch das Rauschen wird reduziert. Skalier dann in der Timeline auf 1080p und du hast ein knackiges, sauberes Bild. Warum das so viel bringt, erkläre ich im Vergleich 4K vs 1080p.
Häufige Fragen
Warum rauscht mein S-Log3 so stark? Weil du unterbelichtest. S-Log3 ist belichtungshungrig. Beim Anheben von Kontrast und Belichtung in der Post kommt das Rauschen aus den Schatten. Belichte über: Metering Mode +1.7 bis +2.0.
Auf wie viel soll ich S-Log3 belichten? Metering Mode auf +1.7 bis +2.0, oder so weit, bis die Highlights fast clippen, und dann eine Stufe zurück. Zebras auf 94+ und das Histogramm sagen dir, wann du an der Kante bist.
Welches Picture Profile für S-Log3 an Sony? Gamma auf S-Log3, Color Mode auf S-Gamut3.Cine. Meist PP6 (ZV-E1) oder PP8 (A7S III, FX3). Bei falschen Werten Reset drücken.
Welcher ISO ist bei S-Log3 am saubersten? Der Base-ISO deiner Kamera. ZV-E1, A7S III und FX3: 640 und 12.800. A7 IV: 800 und 3.200. Werte knapp unter dem zweiten Base-Wert rauschen am meisten.
Brauche ich für S-Log3 zwingend 10-Bit? Ja. 10-Bit speichert genug Farbinformationen fürs Graden. Auf 8-Bit-Kameras lieber S-Log2 oder HLG3 nehmen.
Wenn du diese Punkte einmal in der Kamera sitzen hast, ist S-Log3 kein Hexenwerk mehr. Metering checken, Zebras an, Base-ISO halten, in 4K drehen. Das läuft dir mit ein bisschen Übung in Fleisch und Blut über.
Das ganze Setup Klick für Klick siehst du in meinen Videos: SLOG3 Tutorial und S-Log3 Rauschen vermeiden. Schau rein, abonnier den Kanal und schreib mir in die Kommentare, an welcher Kamera du gerade drehst.



