Basiert auf meinem Video: Sony ZV-E1 Anfänger Guide – Alle Einstellungen Video & Foto
Du hast die ZV-E1 ausgepackt, das Menü aufgemacht und dann diese gefühlt tausend Punkte gesehen, von denen die Hälfte ausgegraut ist. Kenn ich. Ich zeig dir hier meine kompletten Sony ZV-E1 Einstellungen, Punkt für Punkt, so wie ich die Kamera selbst nutze – und ich sag dir bei jedem Setting das „weil“ dazu, damit du nicht blind kopierst, sondern verstehst, was passiert.
Ein Tipp gleich vorweg: Wenn du deine Kamera schon nach deinem Geschmack eingerichtet hast, sichere die Config, bevor du meine übernimmst. Menü → gelbes Koffersymbol → Save/Load Settings → Save → Save New, Namen vergeben. Landet auf der Speicherkarte, kannst du auf den Rechner ziehen und jederzeit zurückholen.
Welche Video-Einstellungen sind die besten für die ZV-E1?
Kurz: XAVC S 4K in 25p, 422 10-Bit, dazu Active-Stabilisierung. Damit hast du für YouTube und Social Media das beste Verhältnis aus Qualität und Dateigröße.
Beim File Format hast du drei relevante Optionen. XAVC HS 4K ist die stärkste Kompression – kleinste Datei bei sehr guter Qualität, verlangt aber einen leistungsstarken Rechner. XAVC S 4K ist der Sweet Spot für die meisten: gute Qualität, vernünftige Dateigröße. XAVC S-I (All-Intra) hat quasi keine Kompression, riesige Files, maximale Qualität. Ich selbst nehme HS, weil mein Rechner das packt und ich Speicher sparen will. Fürs Internet reicht S 4K locker.
Bei den Movie Settings kommt der Trick mit der Bildrate. Steht die Kamera auf PAL, kannst du in XAVC S 4K nur 50p oder 100p wählen – 25p fehlt einfach. Stellst du unten im Koffermenü auf NTSC um, taucht plötzlich 24p auf, und du kannst sauber in 25p arbeiten. Deshalb läuft meine ZV-E1 auf NTSC. Nachteil? Praktisch keiner, solange du mit Studiolicht oder draußen filmst. Nur bei normalen Haushalts-Glühbirnen kann Flackern auftreten – dagegen gibt es die Anti-Flicker-Funktion mit variablem Shutter, die die Verschlusszeit automatisch einmisst. Mehr zum PAL/NTSC-Thema steht im Guide zu NTSC, PAL und Flackern.
Bei den Record Settings gilt: nimm 422 10-Bit. Der Unterschied zwischen 8-Bit und 10-Bit Farbtiefe ist groß, gerade wenn du in einem Log-Profil drehst und später Farben ziehst. 422 legt mehr Farbinformationen ab, das Bild verträgt mehr Grading. Lieber geile Qualität, die du nicht brauchst und löschen kannst, als schlechte, die du später bereust.
Bildstabilisierung: welche Stufe wofür?
Direkt gesagt: Active ist der Alltags-Sweet-Spot. Du hast bei SteadyShot vier Stufen:
| Modus | Was passiert | Crop |
|---|---|---|
| Off | keine Stabilisierung | keiner |
| Standard | IBIS (Sensor-Stabilisierung) | keiner |
| Active | stärker, für Handheld | ca. 10 % |
| Dynamic Active | fast Gimbal-Look | ca. 30 % |
Dynamic Active ist neu und exklusiv bei der ZV-E1. Das Footage wird so smooth, dass es fast nach Gimbal aussieht – aber der Crop von rund 30 % tut weh, gerade bei 12 Megapixeln. Für Handheld-Talking-Head oder Gehen nehme ich Active: nur 10 % Crop, damit kann man leben, und es ist richtig stabil. Wenn du ein manuelles Objektiv nutzt, stell die Brennweite manuell ein, damit die Kamera sauber stabilisieren kann. Wie sich die Stufen im direkten Vergleich schlagen, siehst du im Stabilisierungs-Test ZV-E1 vs. ZV-E10 vs. A7 IV.
Welches Picture Profile für die ZV-E1?
Wenn du keine Lust auf Color Grading hast, nimm PP11 (S-Cinetone) oder gar kein Profil. Willst du das volle Potenzial, geh in S-Log3.
Die Nummerierung verwirrt am Anfang: PP1 bis PP6 sind normale Profile, PP7 bis PP9 (S-Log3) sind ins „Log Shooting“ ausgelagert, PP10 ist HLG3, PP11 ist S-Cinetone. S-Cinetone sieht direkt aus der Kamera cineastisch aus, ohne dass du irgendwas machen musst – top für schnelle Jobs. Ich selbst drehe in S-Log3, S-Gamut3.Cine, weil ich in der Post grade. Bei S-Log ist das Bild erstmal ausgegraut und flau; über importierte LUTs auf der Speicherkarte siehst du schon während der Aufnahme, wie das fertige Bild ungefähr aussieht.
Ein Detail, das dir Aufnahmen retten kann: schalte die LUT VOR dem Aufnahmestart aus. Startest du mit aktiver LUT, ist die LUT fest in die Datei eingebrannt. Also LUT aus, Aufnahme starten, dann darfst du sie zur Kontrolle wieder ein- und ausschalten. Wie du S-Log3 richtig belichtest und das Rauschen wegbekommst, hab ich im Guide zu S-Log3 belichten auseinandergenommen. Die Logik hinter den einzelnen Profilen erklärt der Beitrag zu Sony Picture Profiles.
Kleine Helfer beim Belichten: Zebras. Stell sie auf ca. 75 für Hauttöne (je nach Hautton 70–80) oder auf 100, um generell Überbelichtung zu erkennen. Siehst du bei Level 100 noch Zebra-Streifen, bist du klar überbelichtet und musst die Blende schließen.
Autofokus richtig einstellen
Für Talking-Head nimmst du Continuous AF plus Augenerkennung – das AF-System der ZV-E1 ist stark und stammt aus der A7-Oberklasse. Zu rund 80 % filme ich damit, den Rest manuell.
Diese Punkte stell ich ein:
1. Focus Mode: Continuous AF. 2. AF Transition Speed: 5. Sieben ist mir zu schnell, fünf gibt einen smoothen, natürlichen Fokuswechsel. 3. Subject Recognition: an, auf „Human“ – dann springt der Fokus automatisch auf Auge und Gesicht. 4. Focus Area: Wide als Standard, für gezieltes Setzen Spot (S/M/L) oder Zone. 5. Peaking Display: High, Farbe Rot. Alles, was scharf ist, wird rot markiert. Beim manuellen Fokus Gold wert.
Für die Produktvorstellung gibt es den Product Showcase: aktivieren, und die Kamera zieht den Fokus sofort auf einen Gegenstand, den du in die Linse hältst, statt an deinem Gesicht zu kleben. Aber dran denken, danach wieder auszuschalten – sonst springt der Fokus wild, sobald du beim Reden mit den Händen wedelst.
Was hat es mit dem Cinematic Vlog Mode und dem Zoom auf sich?
Der Cinematic Vlog Mode ist ein neuer Automatik-Look mit fertigen Stimmungen (Cinematic Tone, Clean, Chic, Fresh, Mono), inklusive Mood-Regler. Praktisch, wenn es schnell gehen soll und du nicht graden willst – wie er im Detail funktioniert, steht im Beitrag zum Cinematic Vlog Mode.
Beim Zoom: nimm Sonys Clear Image Zoom, nicht Digital Zoom. Clear Image rechnet mit Algorithmen und hält die Qualität nahezu, während Digital einfach die Pixel größer zieht und matschig wird. Netter Praxis-Trick bei 12 MP: setz ein APS-C-Objektiv drauf und zoom rund 1,4-fach rein – für mich ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Was Clear Image genau tut, hab ich in Sony Clear Image Zoom erklärt aufgedröselt.
Foto-Einstellungen kurz und knapp
Die ZV-E1 ist eine Videokamera, für Fotos greife ich zur A7 IV. Wer trotzdem knipsen will:
- File Format: RAW (Lossless Compression), oder RAW+JPEG, wenn du am selben Abend Bilder rausgeben musst.
- Belichtung: manuell mit Auto-ISO, ISO-Limit auf 8000, Blende so offen wie möglich, Verschlusszeit je nach Situation.
- Drive Mode: Continuous Shooting für Serien.
- Focus Mode: Continuous AF – hält den Fokus auf bewegten Personen, wenn du halb durchdrückst.
- White Balance: Auto, kein Picture Profile (kommt später in Lightroom).
Das Überhitzungs-Problem: was wirklich hilft
Ehrlich: die ZV-E1 wird warm, das ist ihre größte Schwäche. ABER du kannst richtig viel rausholen. Beim ersten Einrichten fragt die Kamera schon, ob die Temperatursensitivität auf „High“ soll – sag ja. Dann kommen die Handgriffe:
1. Klapp-Display ausklappen. Zugeklappt gibt die Kamera ihre Hitze direkt ans Display ab und heizt sich schneller hoch. 2. Alle Klappen öffnen – Akkufach, Anschlussklappen. Sieht albern aus, holt bei langen Sessions aber nochmal 5 bis 10 Minuten raus, weil die Wärme entweichen kann. 3. Akku tauschen, wenn er heiß ist. Ein kalter Akku bringt weniger Hitze in die Kamera. 4. Schnelle V90-Karte nutzen. Je weniger die Kamera zum Schreiben ackern muss, desto weniger Wärme – und weniger Wärme heißt längere Laufzeit.
Wie lange die Kamera unter realen Bedingungen durchhält, hab ich im ZV-E1 Überhitzungs-Test durchgemessen. Und wenn du gar keine Kompromisse willst, zeig ich dir in Überhitzung mit externem Lüfter lösen, wie du die Kamera dauerhaft kühl hältst.
Häufige Fragen
Warum stelle ich die ZV-E1 auf NTSC statt PAL? Weil du in XAVC S 4K unter PAL nur 50p oder 100p bekommst und 25p fehlt. Unter NTSC schaltest du zusätzlich 24p frei und kannst sauber in 25p filmen. Solange du Studiolicht oder Tageslicht nutzt, hast du keinen Flacker-Nachteil.
8-Bit oder 10-Bit bei der ZV-E1? 10-Bit (422 10-Bit). Der Unterschied ist groß, sobald du in Log oder HLG drehst und Farben ziehst. 8-Bit reicht nur, wenn du direkt sendefertig ohne Grading arbeitest.
Welcher Stabilisierungs-Modus für Handheld-Vlogs? Active. Rund 10 % Crop, dabei sehr ruhig. Dynamic Active ist smoother, croppt aber ~30 % rein – das ist bei 12 MP viel.
Muss ich in S-Log3 drehen? Nein. Für maximale Kontrolle im Grading ja, aber PP11 (S-Cinetone) sieht direkt aus der Kamera cineastisch aus und spart dir die komplette Nachbearbeitung.
Wie verhindere ich, dass die LUT in die Aufnahme eingebrannt wird? LUT vor dem Start der Aufnahme ausschalten, dann Aufnahme starten. Danach kannst du die LUT zur Kontrolle beliebig ein- und ausblenden, ohne dass sie in der Datei landet.
Und jetzt?
Das ist mein komplettes ZV-E1-Setup. Fang mit dem Videomodus an, dreh ein paar Testclips in S-Cinetone und tast dich dann an S-Log3 ran. Den ganzen Überblick über die Kamera – Vergleiche, Langzeit-Fazit, für wen sie sich lohnt – findest du im Sony ZV-E1 Vollformat-Vlogging Komplett-Guide.
Wenn du keine Lust hast, dich durch jedes Menü zu klicken: meine fertige Konfiguration gibt es als Settings-Download für 5 Euro auf meiner Webseite. Aufspielen, fertig.
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