Basiert auf meinem Video: 10 Punkte & Equipment für Cinematic Video für Beginner
„Cinematisch aufnehmen“ klingt für mich mittlerweile fast schon cringe, so oft wird das Wort rumgeworfen. Aber wenn du blutiger Anfänger bist und nicht weißt, was du überhaupt brauchst, um cinematisch filmen zu können, dann sind das hier die 10 Punkte, an denen du nicht vorbeikommst. Kein Marketing-Blabla, sondern die Basis, die dir die Tür überhaupt erst aufmacht.
Und ja, natürlich kommt am Ende alles auf deine Kreativität an. Da gibt es kein Ende und kein Hindernis. Aber wenn du dir wirklich Mühe geben willst, solltest du diese Punkte kennen.
Was brauche ich, um cinematisch zu filmen?
Kurz gesagt: eine Kamera, die in Log aufzeichnen kann, ein passendes Objektiv, stabiles Footage und eine saubere Belichtung. Alles andere baut darauf auf. Hier sind die 10 Punkte in der Reihenfolge, in der sie im Workflow greifen — von der Aufnahme bis zum Schnitt.
1. Kamera mit Log-Fähigkeit 2. Objektiv (am besten ein Zoom für den Start) 3. In einem Log-Profil aufnehmen 4. Externer Monitor 5. Gimbal oder Kamerarig 6. Slow Motion 7. Belichtung 8. Sound Design 9. Postproduktion 10. Kontrast (der Bonus-Punkt, der oft unterschätzt wird)
Gehen wir sie durch.
1. Die Kamera: 10 Bit ist schön, Log ist Pflicht
Du brauchst eine Kamera, mit dem Handy bist du einfach begrenzt. Ideal ist eine, die in 10 Bit aufzeichnen kann — dann rettest du in der Post die Highlights und die Shadows, und dein Color Grading kennt fast keine Grenzen.
Aber: du musst keine 10-Bit-Kamera kaufen. Eine 8-Bit-Kamera geht auch, solange sie in Log aufzeichnet. Der einzige Haken bei 8 Bit ist Banding und ein etwas eingeschränkteres Grading. Für 8-Bit-Kameras nimmst du deshalb besser HLG statt S-Log — wie du das sauber machst, zeige ich dir im Detail unter HLG3 richtig belichten und color graden. Für 10-Bit-Bodies gilt das Gleiche für S-Log3 richtig belichten und Rauschen vermeiden.
Ob Vollformat oder APS-C, spielt keine Rolle. Bei Sony sind das zum Beispiel die ZV-E1, die A7 IV oder die A7S III aus der 7er-Reihe, und die 6000er-Reihe geht als 8-Bit-Kamera auch. Canon und Nikon haben da ebenfalls gute Bodies. Die Kamera ist ehrlich gesagt der am wenigsten problematische Punkt. Wichtiger ist, dass du mit deinem Body vertraut bist.
2. Welches Objektiv als Anfänger?
Als Anfänger hol dir ein Zoom-Objektiv, am besten im Bereich 24 bis 70 mm. Der Grund ist simpel: dein Budget ist begrenzt, und du willst nicht gleich tausende Euro für vier Festbrennweiten raushauen.
Mit einem 24-70 hast du 24, 35, 50 und 70 mm in einem Objektiv. Damit machst du Close-Ups, Mittelshots und Weitshots, ohne das Objektiv zu wechseln. Klar, die 85 mm fehlt oben raus, aber für den Anfang reicht dir diese Range dicke. Gute Optionen sind das Sigma 24-70 mm, das passende Sony-Pendant oder das Tamron 28-75 mm. Die sind alle brauchbar.
Wenn du grübelst, ob es später doch eine Festbrennweite werden soll, lies Festbrennweite vs Zoom-Objektiv. Ein Zoom ist am Anfang die flexiblere Wahl, ABER eine lichtstarke Festbrennweite gibt dir später das cremigere Bokeh und mehr Licht in dunklen Szenen.
3. Warum du im Log-Profil aufnehmen solltest
Log-Profile geben dir in der Postproduktion fast unbegrenzten Spielraum beim Color Grading. Das ist der ganze Sinn dahinter.
Wenn du in Log filmst, sieht dein Footage aus der Kamera erstmal flach und entsättigt aus — das ist Absicht. Der flache Look speichert mehr Dynamikumfang, also mehr Informationen in den hellen und dunklen Bereichen. Erst in der Post ziehst du die Farben dahin, wo du sie haben willst. Ohne Log knallst du dir Highlights und Schatten fest ins Bild, und dann ist da nichts mehr zu retten.
Der wichtige Teil ist: du musst wissen, wie du Log belichtest. Falsch belichtetes Log rauscht in den Schatten oder frisst dir die Lichter weg. Deshalb sind die beiden verlinkten Belichtungs-Guides oben Pflichtlektüre, bevor du loslegst.
4. Externer Monitor: mehr sehen, sicherer belichten
Ein externer Monitor ist ziemlich wichtig, sobald du es ernst meinst. Das kleine Display an der Kamera ist oft verwirrend und nicht eindeutig — gerade bei flachem Log-Bild siehst du kaum, ob deine Belichtung sitzt.
Auf einem externen Monitor importierst du deine LUTs, um den späteren Look schon beim Dreh grob zu sehen. Dazu kommen Tools wie Waveform und False Color, mit denen du deine Belichtung objektiv prüfst statt nach Gefühl. Damit kannst du deutlich mehr anfangen als mit dem internen Display. Ob sich das für dich schon lohnt, klärt der Field Monitor Guide.
5. Gimbal oder Rig für stabiles Footage
Für ruhige, gleitende Shots brauchst du einen Gimbal. Auf Kamerarigs gehe ich hier nicht tief ein, das würde den Rahmen sprengen — es geht ums Prinzip: mehr Stabilität als aus der freien Hand.
Auch mit aktiver Stabilisierung in der Kamera bist du freihändig irgendwo eingegrenzt. Wenn du extrem stabilisiertes Footage willst, dieses schwebende Gefühl, schafft ein Gimbal Abhilfe. Freihändig wackelt das Footage im Zweifel so, dass es im Schnitt nicht mehr zu retten ist — und genau da rettet dich der Gimbal.
6. Slow Motion für den cinematischen Look
Slow Motion gibt einzelnen Szenen sofort mehr Wucht. Bei den richtigen Momenten sieht das richtig cool aus.
Der Trick liegt in der Postproduktion: mit Speed Ramping gehst du von normaler Geschwindigkeit in Slow Motion, wieder zurück auf normal, dann schnell — dieser Wechsel im Tempo trägt einen ganzen cinematischen Look. Nicht jede Szene braucht das, aber als Gewürz an den richtigen Stellen wirkt es stark.
7. Belichtung: der größte Punkt von allen
Belichtung ist der wichtigste Punkt. Man kann kaum genug für gute Belichtung sorgen — hier entscheidet sich, ob dein Bild lebt oder langweilig ist.
Ein Beispiel aus meinem Setup: Nur mit dem Keylight, einer einzelnen Softbox, sieht die Szene flach und langweilig aus. Schalte ich die hinteren Lichter dazu, wird es schon besser. Kommt dann das Hairlight dazu, das die Kanten vom Motiv abhebt, bekommt das Bild plötzlich Tiefe und kleine Details, die vorher fehlten. Jedes Licht macht einen sichtbaren Unterschied.
Je nach Szene belichtest du komplett anders und gibst dem Bild einen anderen Mood. Schau dir an, wie viel Hollywood auf Licht setzt und wie sie danach in der Post die Farben nochmal nachziehen. Mit Belichtung kannst du extrem viel spielen. Wie du ein sauberes Grundsetup aufbaust, steht im Licht- und Studio-Setup für YouTube.
8. Sound Design: der halbe cinematische Eindruck
Sound macht dein Footage lebendig. Nimm einen dieser typischen cinematischen Clips, wo jemand Kaffee macht: der Tamper, der den Kaffeesatz zusammendrückt, der Siebträger, der in die Maschine klickt.
Guck dir denselben Clip ohne Sound Design an — er ist tot. Langweilig. Mit den passenden Geräuschen wird dieselbe Szene sofort viel lebendiger. Das ist der Teil, den Anfänger am häufigsten vergessen. Welche Mikros und Recorder du dafür brauchst, klärt der Überblick zu Audio fürs Video.
9. Postproduktion: hier setzt du alles zusammen
Die Postproduktion ist am Ende das, was aus deinem Footage einen Film macht. Deine ganze Arbeit — Belichtung, Aufnahme, Sound — läuft im Schnittprogramm zusammen.
Hast du in Log aufgenommen, kannst du hier extrem viel color graden. Du setzt einen Look wie Orange & Teal, legst eine LUT drauf, ziehst die Farben nach — und dasselbe Footage sieht plötzlich völlig anders aus. Genau dieser Schritt trennt „gefilmt“ von „cinematisch“. Den kompletten Ablauf von Log über LUT bis Export findest du in der Postproduktion in Premiere Pro.
10. Kontrast: der Bonus-Punkt, der cinematisch macht
Kontrast ist eigentlich das Wichtigste am cinematischen Look, deshalb der Bonus-Punkt zum Schluss. Szenen ohne Kontrast wirken flach und eben nicht cinematisch.
Es gibt zwei Arten von Kontrast, die zählen:
| Art | Was es macht | Beispiel |
|---|---|---|
| Helligkeitskontrast | Wechsel von dunkel zu hell in einer Szene | Jemand am Schreibtisch, abends, nur die Tischlampe an |
| Farbkontrast | Warme und kalte Töne im selben Bild | Rot- und Blauton im Hintergrund, die sich zu Purple mischen |
Sobald du dunkel und hell nebeneinander setzt, oder warme und kalte Farben gegeneinander stellst, bekommt dein Bild diesen Look. Belichtung und Kontrast hängen eng zusammen — im Grunde ist es ein gemeinsamer Punkt. Aber Kontrast wird so oft übersehen, dass er die extra Erwähnung verdient.
Häufige Fragen
Kann ich als Anfänger auch mit einer 8-Bit-Kamera cinematisch filmen?
Ja. Eine 8-Bit-Kamera zeichnet ebenfalls in Log auf, du bekommst nur etwas Banding und weniger Spielraum beim Grading. Nimm dann statt S-Log lieber HLG, das ist bei 8 Bit robuster.
Brauche ich unbedingt teures Equipment für den cinematischen Look?
Nein. Wichtiger als teures Gear sind Belichtung und Kontrast — beides kostet vor allem Übung, nicht Geld. Ein Zoom-Objektiv, ein Gimbal und ein Grundlicht reichen für den Start völlig.
Was ist der wichtigste einzelne Punkt für cinematisches Footage?
Belichtung. Ohne saubere Belichtung nützt dir die beste Kamera nichts. Direkt danach kommt Kontrast, also der bewusste Wechsel von hell und dunkel oder warm und kalt im Bild.
Warum sieht mein Log-Footage so flach und grau aus?
Weil Log genau so aussehen soll. Der flache Look speichert mehr Dynamikumfang. Erst in der Postproduktion ziehst du mit LUT und Color Grading die Farben und den Kontrast rein.
Mit welchem Objektiv sollte ich anfangen?
Mit einem 24-70-mm-Zoom. Damit deckst du Weit-, Mittel- und Close-Up-Shots ab, ohne das Objektiv zu wechseln, und gibst nicht dein ganzes Budget für Festbrennweiten aus.
Nächster Schritt
Das ist die Grundlage. Wenn du tiefer einsteigen willst, wie all diese Bausteine zusammenspielen, starte beim Pillar-Hub Videografie lernen für Einsteiger — da hängen alle Einzelthemen dran.
Und wenn dein Grading sitzt, aber der Export beim Hochladen zu YouTube matschig wird, hol dir mein Gratis Premiere Pro Export-Preset (0 EUR). Damit landet dein cinematischer Look sauber im fertigen Video statt in Kompressionsartefakten.
Ganzes Video auf YouTube ansehen — dort siehst du das Licht-Beispiel mit Key- und Hairlight live.



