Videografie- & Foto-Grundlagen

Shutter Speed für Catalyst Browse: Muss es 1/200 sein?

Shutter Speed für Catalyst Browse getestet: von 1/50 bis 1/500. Warum 1/200 nicht immer nötig ist und wie du Flackern bei künstlichem Licht vermeidest.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 9. Februar 2022 6 Min Lesezeit
TL;DR: Für die Stabilisierung mit Sony Catalyst Browse wird oft 1/200 als Pflicht verkauft. Ich hab von 1/50 bis 1/500 durchgetestet: draußen reichen 1/100 bis 1/160 locker, der Unterschied zu 1/200 ist im Bild kaum zu sehen. 1/200 brauchst du nur bei richtig viel Sonne. Und drinnen bei künstlichem Licht holt dich hoher Shutter Speed genau das Flackern rein, das du eigentlich loswerden willst.

Basiert auf meinem Video: Shutter Speed Vergleich für Catalyst Browse

Du willst dein Footage mit Catalyst Browse stabilisieren und liest überall: stell den Shutter Speed auf 1/200, sonst wird das Bild matschig. Klingt nach einer harten Regel. Aber stimmt das für jede Situation, oder verbaust du dir damit gute Aufnahmen in Räumen mit künstlichem Licht? Genau das hab ich getestet.

Warum verlangt Catalyst Browse einen hohen Shutter Speed?

Catalyst Browse rechnet die Wackler nachträglich raus, und dafür braucht es scharfe Einzelbilder. Bei niedrigem Shutter Speed wie 1/50 hast du beim Laufen Motion Blur, also Bewegungsunschärfe links und rechts im Bild. Die Stabilisierung schiebt dieses verwischte Bild dann hin und her, und das sieht komisch aus.

Deshalb der Reflex zu 1/200: kurze Verschlusszeit, scharfes Einzelbild, saubere Stabilisierung. Wie die Software das Footage überhaupt begradigt, hab ich Schritt für Schritt im Guide zum Stabilisieren mit Sony Catalyst Browse gezeigt. Hier geht es nur um die eine Frage: welcher Wert im Kompromiss am besten funktioniert.

Mein Test: von 1/50 bis 1/500

Ich hab dieselbe Lauf-Szene mit sieben Verschlusszeiten aufgenommen und danach alle durch Catalyst Browse gejagt. Als Konstanten hatte ich am Anfang ISO 400 und Blende f/5, und musste den ISO nach oben ziehen, je kürzer die Verschlusszeit wurde. Ist logisch: kürzerer Shutter lässt weniger Licht rein, also muss die Empfindlichkeit rauf.

Shutter Speed Blende ISO Beobachtung
1/50 f/5 400 sichtbarer Blur beim Laufen an den Bildrändern
1/100 f/5 400 schon deutlich sauberer, gut brauchbar
1/125 f/5 400 sicherer Wert, kaum Blur
1/160 f/5 400 mein Sweet Spot draußen
1/200 f/5 500 erfahrungsgemäß der „beste“ Wert
1/320 f/4 500 kein sichtbarer Vorteil mehr
1/500 f/4 640 too much, nur Nachteile

Die ISO- und Blenden-Werte änderten sich im Test, weil ich die Belichtung ausgleichen musste. Wenn dir das Zusammenspiel aus Blende, ISO und Verschlusszeit noch nicht ganz klar ist, lies vorher das Belichtungsdreieck für Einsteiger, dann macht die Tabelle sofort mehr Sinn.

Was ist das Ergebnis? Ehrlich: kaum ein Unterschied

Direkt zur Antwort: als ich die stabilisierten Clips nebeneinander gelegt hab, waren die Unterschiede viel kleiner als gedacht. Zwischen 1/100, 1/125, 1/160 und 1/200 konnte ich beim besten Willen keinen großen Sprung in der Qualität erkennen.

Der einzige echte Ausreißer nach unten war 1/50 mit dem Blur beim Laufen. Und nach oben bringt dir alles über 1/200 nichts mehr. 1/320 sah nicht besser aus als 1/200, und 1/500 ist einfach zu viel. Wer filmt schon auf 1/1000? Dann musst du den ISO extrem hochdrehen oder brauchst pralle Sonne, und das macht keinen Spaß.

Das eigentliche Problem: Flackern bei künstlichem Licht

Hier wird es wichtig, weil genau daran die 1/200-Regel in der Praxis scheitert. Sobald du reingehst, zum Beispiel für einen Food-Vlog im Restaurant, hast du künstliche Lichtquellen. Und hoher Shutter Speed erzeugt bei diesem Licht Artefakte und schwarze Balken, die durchs Bild wandern. Das ist der größte Nachteil, wenn du die Verschlusszeit nach oben schraubst.

Das ist derselbe Effekt, der auch mit der NTSC/PAL-Einstellung zusammenhängt. Wie du das Flackern grundsätzlich in den Griff bekommst, steht im Artikel NTSC und PAL sowie Flackern lösen. Fürs Drehen drinnen heißt das: du willst eher runter mit dem Shutter Speed, nicht rauf. Und genau da kollidiert die Catalyst-Regel mit der Realität.

Der Trick mit offener Blende bei 1/50

Es gibt einen Weg, drinnen trotzdem mit 1/50 zu filmen und den Motion Blur zu kaschieren. Wenn du die Blende weit aufmachst, zum Beispiel auf f/1.4, bekommst du ein starkes Bokeh, also einen unscharfen Hintergrund. Und durch dieses Bokeh fällt das Motion Blur kaum noch auf.

Das funktioniert gut für Restaurant-Vlogs, wo du eher ruhig sitzt und Aufnahmen machst, je nachdem wie ruhig deine Hand ist. Beim Laufen siehst du den Blur trotzdem, da hilft die offene Blende nicht. Aber im Sitzen umgehst du so das Lichtflackern und hast trotzdem smoothes Footage. Für den Look brauchst du natürlich ein lichtstarkes Objektiv, so eine Festbrennweite wie im Objektiv-Filter-Guide mit ND und Diffusion angesprochen, wo auch die passenden Filter zum Abdunkeln Thema sind.

Meine Empfehlung nach Situation

Kurz und direkt, so stelle ich es ein:

1. Draußen, normales Tageslicht: 1/125 oder 1/160. Du brauchst keine 1/200, es sieht auch mit 1/100 gut aus. 1/160 ist mein Wert auf Nummer sicher. 2. Draußen, pralle Sonne: ruhig auf 1/200 hoch, da ist genug Licht. Wenn nötig, einen ND-Filter drauf statt den ISO zu quälen. 3. Draußen, bewölkt: eher runter, 1/100 bis 1/125 reichen locker. 4. Drinnen mit künstlichem Licht: runter auf 1/50 und Blende weit auf für Bokeh, um das Flackern zu vermeiden. Nur wenn du nicht viel läufst.

Alles über 1/200 ist für Catalyst Browse überflüssig. Du zahlst nur mit mehr ISO und mehr Flacker-Risiko und bekommst kein besseres Bild dafür.

Wenn du dir grundsätzlich unsicher bist, ob Catalyst Browse überhaupt dein Weg ist oder ob der Stabilisator der Kamera reicht, schau in die Stabilisierungsoptionen der Sony ZV-E10. Und wer noch tiefer in die Basics will, findet in den Videografie-Grundlagen für Einsteiger den kompletten Überblick.

Häufige Fragen

Muss ich für Catalyst Browse zwingend 1/200 einstellen? Nein. 1/200 ist ein sicherer Wert, aber im direkten Vergleich sehen 1/100 bis 1/160 draußen praktisch genauso gut aus. Der Unterschied ist minimal.

Warum flackert mein Video bei hohem Shutter Speed drinnen? Weil künstliche Lichtquellen mit einer bestimmten Frequenz pulsieren. Kurze Verschlusszeiten fangen dieses Pulsieren als Streifen oder schwarze Balken ein. Runter mit dem Shutter Speed und die passende Frequenz-Einstellung lösen das.

Kann ich mit 1/50 filmen, obwohl ich stabilisieren will? Beim Laufen bekommst du Motion Blur an den Bildrändern, das sieht nach Stabilisierung nicht schön aus. Im Sitzen mit offener Blende und Bokeh geht es aber, weil der Blur dann kaum auffällt.

Warum muss ich den ISO erhöhen, wenn ich den Shutter Speed hochdrehe? Kürzere Verschlusszeit lässt weniger Licht auf den Sensor. Um die Belichtung zu halten, musst du entweder ISO hochziehen oder die Blende öffnen. Bei Sonne hilft stattdessen ein ND-Filter.

Lohnt sich Shutter Speed über 1/200? Für Catalyst Browse nicht. 1/320 sah in meinem Test nicht besser aus, 1/500 war schon zu viel und kostet nur ISO. Über 1/200 gibt es keinen sichtbaren Gewinn.

Fertig stabilisieren und exportieren

Der saubere Shutter Speed ist die halbe Miete, der Rest passiert im Schnitt. Wenn dein Footage stabilisiert ist und du es für YouTube rausschieben willst, spar dir das Rumprobieren bei den Export-Settings: Ich hab dir mein fertiges Premiere Pro Export-Preset kostenlos verpackt, damit die Datei nicht matschig aus dem Export kommt.

Ganzes Video auf YouTube ansehen und dann schnapp dir das Preset. Wenn du eine Verschlusszeit findest, die bei dir noch besser läuft, schreib mir das gern in die Kommentare.

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