Objektiv-Guide (Sony)

Objektiv-Filter Guide: ND, CPL, variabler ND & Mist

ND, CPL, variabler ND und Mist-Filter einfach erklärt: welche du wirklich brauchst, wie sie wirken und welcher VND im Test überzeugt. Praxis statt Theorie.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 12. April 2024 9 Min Lesezeit
TL;DR: Vier Filter-Typen musst du kennen. Der CPL killt Reflexionen, der ND wirkt wie eine Sonnenbrille fürs Objektiv, der variable ND (VND) spart dir das ständige Wechseln, und Mist/Diffusion gibt dir den weichen Kinolook. Für Video ist ein VND fast Pflicht. Im direkten Test überzeugt PolarPro mit seinen Hardstops, Freewell ist der Preis-Leistungs-Tipp mit integriertem CPL und Magnet.

Basiert auf meinen Videos: ND Filter erklärt: Welche Filter braucht man? und VND Filter im Test: PolarPro vs Freewell vs K&F Concept

Du filmst draußen bei Sonne, ziehst die Blende auf f1.8, und dein Bild ist komplett überbelichtet. Oder du willst deinen Shutter auf 1/50 halten und trotzdem sieht alles aus wie ein Milchglas. Genau da kommen Objektiv-Filter ins Spiel. Ich zeig dir hier, welche vier Typen es gibt, welche du wirklich brauchst und welcher variable ND-Filter in meinem Vergleich am Ende gewonnen hat.

Welche Objektiv-Filter gibt es überhaupt?

Es gibt vier Filter, die du kennen solltest: CPL, ND, variabler ND und Mist/Diffusion. Jeder macht genau eine Sache. Hier die Kurzfassung, bevor wir ins Detail gehen.

Filter Was er macht Für wen
CPL (Polfilter) Reflexionen weg, mehr Kontrast im Himmel Foto & Video draußen
ND Sonnenbrille fürs Objektiv, weniger Licht Video bei Sonne
Variabler ND (VND) ND, nur stufenlos einstellbar Alle, die schnell arbeiten
Mist / Diffusion weicher, traumartiger Kinolook cinematischer Look

CPL und ND sind die Pflicht-Filter. Der VND macht dir das Leben leichter, und Mist ist die Kür für den Look. Jetzt der Reihe nach.

Was macht ein CPL-Filter?

Ein CPL-Filter (Circular Polarizer, also Polfilter) eliminiert Reflexionen. Mehr macht er im Kern nicht, und genau das ist Gold wert. Du filmst ein Gebäude mit Fenstern, ein Auto mit Glas, eine Wasseroberfläche oder Pflanzen, und alles spiegelt dir das Bild kaputt. Der CPL hemmt diese Reflexionen, sodass du durch die Scheibe oder ins Wasser sehen kannst.

Es gibt einen zweiten Effekt: Der CPL kann dem Himmel mehr Kontrast geben und den Dunst rausnehmen. Der Himmel wird satter, das Blau tiefer. Dabei musst du auf den Winkel achten. Am besten stehst du 90 Grad zur Sonne, sonst sieht das Ergebnis schnell komisch und ungleichmäßig aus. Nicht jeder CPL kann beides gleich gut. Manche filtern Glas-Reflexionen top, andere sind eher fürs Himmel-Thema gemacht.

Was macht ein ND-Filter und wozu brauchst du ihn?

Ein ND-Filter (Neutral Density) ist eine Sonnenbrille für dein Objektiv. Er nimmt gleichmäßig Licht weg, ohne die Farben zu verändern. Je höher die Zahl, desto stärker: ND8 ist schwach, ND64 ist stark. Bei knalliger Sonne greifst du zum ND64, an bewölkten Tagen reicht ND8.

Warum brauchst du das? Wegen der 180-Grad-Regel bei Video. Die sagt: dein Shutter Speed soll etwa doppelt so hoch sein wie deine Framerate. Filmst du mit 25 Bildern pro Sekunde, willst du einen Shutter von 1/50 Sekunde. Nur so wirkt die Bewegung natürlich und nicht ruckelig. Wenn du jetzt draußen bei Sonne mit offener Blende filmst, ist dein Bild bei diesem Shutter total überbelichtet. Der ND-Filter frisst das überschüssige Licht weg, und du bleibst bei deinen Wunsch-Einstellungen. Wie Shutter, Blende und ISO zusammenhängen, erkläre ich dir im Belichtungsdreieck für Einsteiger.

Für kleine Kameras wie die DJI Osmo Pocket 3 gibt es feste ND-Sets zum Aufstecken, meist vier Stärken im Case. Praktisch, aber du musst ständig das Wetter checken und den passenden Filter draufstecken. Und genau da wird es nervig.

Was ist ein variabler ND-Filter (VND)?

Ein variabler ND-Filter ist ein ND, den du stufenlos einstellen kannst, ohne den Filter zu wechseln. Statt ND8, ND16 und ND64 nacheinander draufzuschrauben, drehst du einfach am Ring und regelst den Lichteinlass hoch oder runter. Für Video ist das fast Pflicht, weil sich das Licht draußen dauernd ändert und du nicht bei jeder Wolke den Filter tauschen willst.

Die meisten VNDs haben Stufen, sogenannte Stops. Üblich ist 1 bis 5, es gibt aber auch Filter mit 3 bis 7 oder 6 bis 9. Je nachdem, wie stark dein Filter ziehen soll, suchst du dir den passenden Bereich aus. Viele VNDs sind gleichzeitig mit einem Polfilter kombiniert, weil die Technik verwandt ist. Bei den meisten drehst du dann ND und CPL zusammen in einer Richtung.

Es gibt aber cleverere Systeme. Bei manchen Filtern von K&F kannst du den ND-Wert und den CPL-Wert getrennt einstellen. Über einen kleinen Haken vorne regelst du die ND-Stufen, über ein separates Gewinde drehst du den CPL. Das ist richtig praktisch, kostet aber mehr. Wenn du tiefer in Brennweite, Blende und Objektiv-Auswahl einsteigen willst, schau in meine Objektiv-Grundlagen.

Schrauben oder Magnet?

VNDs gibt es zum Aufschrauben und mit Magnet-Halterung. Der Magnet ist um Längen schneller. Du schraubst einmal einen magnetischen Ring aufs Objektiv, und danach klippst du den Filter nur noch drauf und wieder ab. Zack, dran. Wenn du im Run-and-Gun unterwegs bist und schnell arbeiten musst, ist das ein echter Vorteil. Er sitzt auch fest genug, da musst du dir im normalen Betrieb keine Sorgen machen.

Was bringt ein Mist- oder Diffusion-Filter?

Ein Mist- oder Diffusion-Filter gibt deinem Bild einen weichen, traumartigen Kinolook. Auf Englisch sagt man „hazy, dreamy look“. Das Bild wirkt leicht verschwommen, die harten Kanten werden weicher, und das Ganze bekommt sofort etwas Filmisches.

Der Mist-Filter setzt vor allem bei den Highlights an. Helle Bereiche fangen leicht an zu glühen, der Kontrast wird reduziert, und das sieht wirklich stark aus. Ich nutze den Mist-Filter selbst ziemlich gern. Auch hier gibt es Stärken: 1/8 ist die schwächere Variante, 1/4 zieht deutlich mehr. Fang lieber mit 1/8 an, denn den Effekt bekommst du in der Postpro nicht mehr raus. Für den kompletten cinematischen Aufbau hab ich die 10 Punkte für cinematisches Video zusammengefasst.

VND-Filter im Test: 4 Modelle im Vergleich

Ich hab vier variable ND-Filter aus drei Preisklassen gegeneinander antreten lassen, vom 70-Euro-Einstieg bis zum 250-Euro-Modell. Getestet in verschiedenen Szenarien, ehrlich und ohne Sponsoring. Der K&F-Filter wurde mir zwar zur Verfügung gestellt, aber das ist kein Placement, sondern meine ehrliche Meinung.

Filter Preis Besonderheit Material
K&F Concept Nano X ~70 € reiner VND, günstigst Kunststoff
K&F Concept Nano X Pro ~140–145 € VND + CPL in einem Metall
Freewell Magnetic V2 ~150 € CPL integriert, magnetisch Metall
PolarPro Peter McKinnon ~250 € Hardstops, 360-Defender-Case Metall

Ein Tipp vorweg, egal welchen Filter du kaufst: Nimm immer die größte Filtergröße und arbeite mit Step-Up-Ringen. Hat dein Objektiv 67 mm Durchmesser, kauf trotzdem den 82-mm-Filter und adaptiere ihn runter. Kaufst du den Filter zu klein und ringst ihn hoch, bekommst du eine Vignette. Andersrum passiert das nicht.

Vignettierung

Beim Vignetting haben fast alle Filter gut abgeschnitten. Der K&F Nano X Pro hatte als einziger eine leichte Vignette und lag damit hinter den anderen. Kurioserweise hat der günstige Nano X bei 20 mm bessere Ergebnisse geliefert als sein teurerer Bruder. Den Nano X hatte ich nur in 67 mm, deshalb konnte ich ihn nicht in jedem Szenario mitlaufen lassen, bei 16 mm am Vollformat gab es sonst eine Vignette.

X-Pattern (Cross-Polarization)

Bei VNDs gibt es das bekannte X-Pattern, also Cross-Polarization: ein dunkles Kreuz im Bild bei starker Verdrehung. Dagegen helfen Hardstops, die den Dreh-Bereich begrenzen. Im Test hatte nur PolarPro echte Hardstops. Bei 16 mm und Stufe 5 sieht man das X-Pattern bei allen Filtern deutlich. Ab 24 mm wird es besser, und bei 35 mm ist es praktisch weg. Der Nano X Pro hat mich hier enttäuscht, der kleinere Nano X war überraschend besser.

Stop-Genauigkeit und Color Cast

Bei der Genauigkeit der Stops liegt PolarPro fast bei 1:1. Freewell ist auch nah dran, mit Abweichungen von etwa einem Drittel, teils zwei Dritteln. K&F weicht stärker ab. Beim Color Cast, also dem Farbstich, ist Freewell V2 top mit nur minimalem Rotstich. Der V1-Vorgänger hatte da noch deutlich mehr, im V2 ist das fast behoben. PolarPro hat einen minimalen Blaustich, der kaum auffällt. Der K&F Nano X Pro hat einen ziemlich starken Rotstich, während der günstige Nano X wieder überraschend besser abschneidet. Wenn du eh mit Log arbeitest und Farben in der Post setzt, hilft dir mein Guide zu S-Log3 richtig belichten.

Bei der Schärfe nehmen sich alle vier nichts, da gibt es keine Bedenken. Auch der CPL-Teil bei K&F und Freewell filtert Glas-Reflexionen sauber.

Welchen VND-Filter soll ich kaufen?

Das hängt an deinem Budget. Hier meine klare Empfehlung nach dem Test:

1. Budget (~70 €): K&F Concept Nano X. Erfüllt seinen Zweck, hat nur eine leichte Vignette und keinen krassen Rotstich. Für den Einstieg völlig okay. 2. Preis-Leistung (~100–150 €): Freewell Magnetic V2. Magnetisch, also schnell dran und ab, akkurate Farben, CPL integriert und ein Kunstleder-Case dabei. Mein Tipp für die meisten. 3. Beste Qualität (~250 €): PolarPro Peter McKinnon. Fast keine Farbabweichung, die Hardstops sind super akkurat, das 360-Defender-Case ist durchdacht. Nur bei 16 mm zeigt er stärkeres X-Pattern.

Den K&F Nano X Pro als Mittelklasse würde ich nur bei einem Angebot um 100 bis 120 Euro nehmen. Zum vollen Preis bekommst du für ähnliches Geld bei Freewell mehr. Filter sind übrigens nur ein Teil vom Setup. Was sonst noch in die Tasche gehört, steht in meinem Gear-Guide für Content Creator.

Häufige Fragen

Braucht man als Anfänger wirklich einen ND-Filter?

Für Video draußen bei Sonne: ja. Ohne ND-Filter kannst du die 180-Grad-Regel nicht einhalten, ohne die Blende zuzuziehen, und dein Bild wirkt schnell überbelichtet oder unnatürlich. Für reine Fotografie ist er weniger zwingend.

Was ist der Unterschied zwischen ND und variablem ND?

Ein normaler ND hat eine feste Stärke, den musst du wechseln, wenn sich das Licht ändert. Ein variabler ND (VND) ist stufenlos einstellbar. Du drehst am Ring und regelst den Lichteinlass, ohne den Filter zu tauschen.

Was ist X-Pattern bei VND-Filtern?

Das X-Pattern (Cross-Polarization) ist ein dunkles Kreuz im Bild, das bei starker Verdrehung eines VND entsteht, vor allem im Weitwinkel bei 16 mm und hohen Stufen. Filter mit Hardstops begrenzen den Dreh-Bereich und vermeiden das. Ab 24 bis 35 mm ist der Effekt meist kein Thema mehr.

Welche Filtergröße soll ich kaufen?

Immer die größte, die für deine Objektive passt, und dann mit Step-Up-Ringen adaptieren. Kaufst du zu klein und ringst hoch, bekommst du eine Vignette. Von groß nach klein passiert das nicht.

CPL oder ND, was zuerst?

Beide haben ihren eigenen Job und schließen sich nicht aus. Der CPL nimmt Reflexionen weg, der ND regelt das Licht. Viele VNDs kombinieren beides in einem Filter, das ist der beqümste Einstieg.

Wenn du sehen willst, wie die vier VND-Filter im echten Vergleich aussehen, mit X-Pattern, Farbstich und allem, dann schau dir das ganze Test-Video auf YouTube an. Und wenn du erst mal die Basics zu den Filter-Typen brauchst, gibt es hier die komplette Erklärung.

Mein nächster Schritt für dich: Fang mit einem guten VND an, der einen CPL integriert hat. Damit deckst du 90 Prozent aller Draußen-Situationen ab, und den Mist-Filter holst du dir später für den Look. Abonnier den Kanal, dann kriegst du den Black-Mist-Test direkt mit.

SEROTECH LUTs
Mein Tipp dazu
Kamera-Settings zum Download

Du willst dir das Nachklicken durch jedes einzelne Menü sparen? Meine kompletten Kamera-Video-Settings gibt es als fertigen Download — einfach übernehmen und direkt losfilmen.

5,00 € Zum Shop
Serkan Ipek — seroTech
Über den Autor

Serkan · seroTech

Content Creator aus Frankfurt. Auf seroTech zeige ich cinematisches Filmmaking, Kamera-Technik und Color Grading — ehrlich eingeordnet aus der echten Praxis, mit Sony & DJI im Einsatz.

Zum YouTube-Kanal
Gratis-Download

Hol dir das Premiere-Export-Preset.

Mein Export-Preset (M1/M2) + neue Guides direkt per Mail. Double-Opt-in, kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mit dem Absenden stimmst du der Datenschutzerklärung zu.

Kein Video verpassen.

Neue Guides, ehrliche Tests und Presets — abonniere den Kanal oder hol dir das Gratis-Preset.