Basiert auf meinem Video: Die neue Sony ZV-1F Vlogging Kamera – Nicht das was wir erwartet haben!
Ich sag es dir gleich ehrlich: Als ich vor der Vorstellung die Gerüchte gelesen hab, war ich enttäuscht. Fast schlechte Laune. Wir alle haben was ganz anderes erwartet, und stattdessen hat Sony uns eine günstigere Alternative zur ZV-1 hingelegt. Kein neues Flaggschiff, kein grosser Sprung. In diesem Artikel geh ich durch, was die ZV-1F wirklich kann, wo Sony gespart hat und für wen sich das Ding am Ende lohnt.
Was ist die Sony ZV-1F überhaupt?
Die Sony ZV-1F ist im Kern die gleiche Kamera wie die ZV-1, nur mit fixer 20mm-Festbrennweite statt Zoom und ohne ein paar Features, damit der Preis runtergeht. In den USA startet sie bei 500 Dollar, die Preisempfehlung in Deutschland liegt bei rund 650 Euro. Ich rechne damit, dass sie sich nach einiger Zeit im 500-Euro-Bereich einpendelt.
Der grosse Unterschied zur alten ZV-1: Die hatte ein 24-70mm-Zoomobjektiv. Die ZV-1F hat eine Festbrennweite von 20mm (Vollformat-äquivalent) bei F2. Auf APS-C umgerechnet sind das etwa 13,3mm, also schön weit. Das ist für Vlogging tatsächlich ein Vorteil, weil mehr ins Bild passt, wenn du die Kamera in ausgestreckter Hand hältst.
Wenn du die alte ZV-1 gegen ihre größere Schwester abwägen willst, hab ich das im Vergleich Sony ZV-1 vs ZV-E10 schon durchgespielt.
ZV-1F vs ZV-1: was fehlt gegenüber dem Vorgänger?
Weil die ZV-1F günstiger ist, musste Sony an mehreren Stellen sparen. Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Merkmal | Sony ZV-1 | Sony ZV-1F |
|---|---|---|
| Objektiv | 24-70mm Zoom | 20mm Festbrennweite, F2 |
| ND-Filter | ja, eingebaut | nein |
| Autofokus | Hybrid-AF | Kontrast-AF |
| Stabilisierung | Optical SteadyShot + Active | nur Active (elektronisch) |
| RAW-Fotos | ja | nein |
| Anschluss | Micro-USB | USB-C |
| Filtergewinde | – | 40,5mm vorne |
Ein paar Punkte tun weh. Der fehlende ND-Filter zum Beispiel: Bei hellem Sonnenlicht kannst du ohne ND deine Verschlusszeit nicht sauber auf die doppelte Framerate setzen, ohne zu überbelichten. Immerhin hat die ZV-1F ein 40,5mm-Filtergewinde vorne, du kannst also einen ND-Filter aufschrauben. Wenn du nicht weisst, welchen, schau in meinen Objektiv-Filter Guide zu ND, CPL und Co..
Der Wechsel von Micro-USB auf USB-C ist dagegen ein klarer Gewinn. Endlich ein Anschluss, der zeitgemäss ist.
Wie gut ist der Autofokus der ZV-1F?
Der Autofokus ist der größte Rücksschritt. Die ZV-1F hat keinen Hybrid-Autofokus mehr, wie du ihn von der ZV-E10 kennst, sondern nur noch einen Kontrast-Autofokus. In den Einstellungen kannst du festlegen, ob dein Motiv ein Mensch oder ein Tier ist, und es gibt eine Art Augenerkennung. Aber das ist nicht das schnelle, klebrige Gesichts- und Augen-AF, das Sony so bekannt gemacht hat.
Für statisches Talking-Head vor der Kamera reicht das. Sobald du dich aber schnell bewegst oder viel im Bild passiert, merkst du den Unterschied zum echten Hybrid-System. Wenn dir Autofokus wichtig ist, lohnt der Blick auf die ganze Sony ZV-Reihe, bevor du dich festlegst.
Stabilisierung, Sensor und Video-Specs
Kein IBIS, kein optischer Stabilisator in der Linse. Die ZV-1F hat nur Active Stabilization, also die elektronische Variante, die einen Crop kostet. Beim 4K-Vloggen kommt noch ein weiterer kleiner Crop dazu. Klingt schlimmer als es ist: Weil die Grundbrennweite mit 20mm weiter ist als die 24mm der alten ZV-1, bleibt am Ende trotzdem ein gutes Vlogging-Bild übrig. Auf der ZV-1 waren nach Stabilisierung effektiv nur noch etwa 18-19mm übrig, hier bist du näher dran an dem, was Vlogger brauchen.
Die technischen Eckdaten:
- 20-Megapixel Typ-1-Sensor (CMOS)
- 20mm Festbrennweite mit F2
- Kontrast-Detection-Autofokus
- 8-Bit 4:2:0
- 4K bis 30fps (im europäischen PAL-Raum 25fps)
- 1080p bis 120fps für Zeitlupe
- Farbprofile S-Log2 und HLG2 plus weitere
Ein Zoomobjektiv gibt es nicht, also musst du digital zoomen oder Sonys Clear Image Zoom nutzen, der das Bild deutlich sauberer skaliert als ein reiner Digitalzoom. RAW-Fotos sind nicht drin, das ist reine Video- und JPEG-Kamera.
Ein paar clevere Details gibt es auch
Damit du mich nicht für einen reinen Miesmacher hältst: Sony hat auch was besser gemacht. Bei der ZV-1 sass das Stativgewinde unten direkt neben dem Akkufach. Wolltest du bei montiertem Quick-Release oder auf dem Stativ den Akku wechseln, musstest du alles abbauen. Nervig. Bei der ZV-1F ist das 1/4-Zoll-Gewinde auf die gegenüberliegende Seite gewandert, du kommst also an den Akku ran. Der Haken: Das Gewinde sitzt dadurch nicht mehr zentral, sondern etwas seitlich.
Ausserdem ist das neue Sony-Menü an Bord. Nicht mit allen Vorteilen des grossen Menüs, aber das neue Layout und Design, und das bedient sich einfach angenehmer. Das interne Mikrofon ist genauso brauchbar wie bei der ZV-1.
Ein Detail solltest du kennen: Oben sitzt ein Cold-Shoe-Mount, kein Hot-Shoe mit Pins. Die speziellen Sony-Systemmikrofone, die sonst digital über den Schuh laufen, kannst du hier nur über die normale Mikrofonbuchse anschliessen. Der Schuh ist reiner Halteplatz.
Für wen ist die Sony ZV-1F gemacht?
Die ZV-1F richtet sich an absolute Content-Einsteiger, die schnell loslegen wollen, ohne viel Geld auszugeben. Kleine, kompakte Run-and-Go-Kamera, einpacken, rausholen, aufnehmen. Für Social-Media-Content und Situationen, in denen es schnell gehen muss, ist so eine Kamera echt praktisch. Die Bild- und Videoqualität ist für die Größe völlig okay, auch wenn sie natürlich nicht an eine richtige APS-C- oder Vollformat-Kamera rankommt.
Und da hab ich meinen ehrlichen Kritikpunkt: Wenn die Zielgruppe blutige Anfänger sind, die einfach nur draufhalten wollen, warum gibt es dann S-Log2, HLG2 und so viel manuelle Kontrolle? Ein Einsteiger, der Run-and-Go macht, stellt nichts ein. Der macht die Kamera an und drückt Aufnahme. Diese Profi-Funktionen passen für mich nicht zur beworbenen Zielgruppe.
Der zweite Punkt ist noch härter. Wer ein iPhone 14 Pro mit Kinomodus hat, braucht die ZV-1F meiner Meinung nach nicht. Da hast du eine vergleichbar simple Bedienung, ordentliche Videoqualität und das Ding steckt eh schon in deiner Hosentasche. 500 Euro extra für eine Kamera, die deinem Handy in diesem Einsatzbereich kaum davonzieht? Das musst du dir gut überlegen. Wenn du in dieselbe kompakte Kerbe schaust, aber mit interner Stabilisierung, lohnt auch ein Blick auf die DJI Osmo Pocket 3.
Bevor du dich entscheidest: Ich hab die komplette Sony-Familie in meiner grossen Sony Kaufberatung mit allen Vergleichen gegenübergestellt. Da findest du die ZV-1F im Kontext zu ZV-E10, ZV-E1 und den größeren Modellen.
Häufige Fragen zur Sony ZV-1F
Ist die Sony ZV-1F besser als die ZV-1? Nicht wirklich besser, eher anders und günstiger. Die ZV-1F hat eine weitere 20mm-Festbrennweite und USB-C, verzichtet aber auf Zoom, ND-Filter, Hybrid-AF und RAW. Zum Vloggen ist die weitere Brennweite ein Plus, technisch ist die ZV-1 in einigen Punkten flexibler.
Hat die Sony ZV-1F einen ND-Filter? Nein, einen eingebauten ND-Filter gibt es nicht. Du kannst aber über das 40,5mm-Filtergewinde vorne einen ND-Filter aufschrauben, um bei Sonne die Verschlusszeit im Griff zu behalten.
Welche Videoauflösung schafft die ZV-1F? 4K bis 30fps (in Europa 25fps) in 8-Bit 4:2:0, und in Full HD bis zu 120fps für Zeitlupe. Farbprofile wie S-Log2 und HLG2 sind an Bord.
Hat die Sony ZV-1F einen guten Autofokus? Nur einen Kontrast-Autofokus mit Mensch/Tier-Auswahl und einfacher Augenerkennung. Für statisches Talking-Head reicht das, an den schnellen Hybrid-AF anderer Sony-Kameras kommt er nicht heran.
Lohnt sich die ZV-1F, wenn ich schon ein gutes Smartphone habe? Ehrlich: eher nicht. Ein aktuelles iPhone mit Kinomodus liefert für denselben simplen Run-and-Go-Einsatz vergleichbare Ergebnisse und ist immer dabei. Die ZV-1F lohnt sich vor allem, wenn du bewusst eine eigene, dedizierte Kamera willst.
Mein Fazit und ein Tipp für den Schnitt
Die ZV-1F ist keine schlechte Kamera, aber auch keine, bei der ich verstehe, warum Sony sie so gebaut hat. Es gibt schon die ZV-1, und wer ein modernes Smartphone besitzt, hat die Alternative in der Hosentasche. Für echte Einsteiger mit kleinem Budget, die bewusst eine Kamera und kein Handy wollen, kann sie trotzdem passen.
Schreib mir gern in die Kommentare unter dem Video, ob du das genauso siehst oder ob ich zu hart bin. Das ganze Video zur Sony ZV-1F kannst du dir hier auf YouTube ansehen.
Und egal mit welcher Sony du am Ende drehst: Damit dein Footage in Premiere Pro auch sauber und ohne Qualitätsverlust auf YouTube landet, hol dir mein Gratis Premiere Pro Export-Preset (0 EUR). Einmal laden, in Premiere ziehen, exportieren. Fertig.



