Basiert auf meinem Video: Sony Farbprofile erklärt (Picture Profile deutsch) – Mit der ZV-E10
Du hast eine Sony ZV-E10, eine A7S III oder eine aus der 6000er-Reihe und stehst im Menü vor Picture Profile 1 bis 10 und hast keine Ahnung, was du nehmen sollst. Kenn ich. Ich hab die zehn Profile draußen in der Sonne und drinnen im Studio alle durchprobiert, color-corrected und gegradet, und am Ende bleibt eine einfache Antwort hängen: für eine 8-Bit-Kamera wie die ZV-E10 gibt es genau ein Profil, das ich nutze. Warum, erkläre ich dir gleich Schritt für Schritt.
Was ist ein Farbprofil bei Sony überhaupt?
Ein Farbprofil (bei Sony „Picture Profile“) bestimmt, wie deine Kamera das Bild aufzeichnet, bevor du es überhaupt anfasst. Es steckt an zwei Stellschrauben: Gamma und Color Mode. Mehr musst du für den Anfang nicht anfassen, den Rest lässt du so, wie Sony ihn ab Werk eingestellt hat.
Kurz erklärt:
- Gamma (z. B. HLG3 oder S-Log3) regelt die Belichtung und wie viel Dynamikumfang du bekommst, also wie viel Zeichnung in hellen und dunklen Bereichen erhalten bleibt.
- Color Mode (z. B. BT.2020 oder Rec.709) regelt, wie die Kamera die Farbinformationen interpretiert und zum Sensor umwandelt. Mehr ist das nicht.
Die Profile findest du an der ZV-E10 im Menü im ersten Reiter auf Seite 8 von 11, dort steht „Picture Profile“. Sony hat die zehn Slots einfach durchnummeriert und ab Werk vorbelegt. Du kannst jedes einzelne frei umkonfigurieren, dir stehen alle Türen offen. Ich hab meine auf Standard gelassen, weil die Werksbelegung für den Einstieg völlig reicht.
Picture Profile oder Kreativstil, was ist der Unterschied?
Der Kreativstil ist der Look ohne Grading-Absicht, das Picture Profile ist die Grundlage fürs Grading. Wenn du das Picture Profile deaktivierst, greift der Kreativstil, und da hast du an der ZV-E10 diese Auswahl: Standard, Vivid, Portrait, Landscape, Sunset, Schwarz-Weiß und Sepia. Das sind fertige Bildstile direkt aus der Kamera, gedacht für Leute, die nichts nachbearbeiten wollen.
Die zehn Picture Profiles dagegen sind die Basis, wenn du in Premiere Pro noch am Bild schrauben willst. Für die Grundlagen der Bearbeitung danach lohnt sich mein Guide zur Postproduktion in Premiere Pro als Startpunkt.
Warum solltest du an der ZV-E10 kein S-Log nutzen?
Weil die ZV-E10 eine 8-Bit-Kamera ist und Log-Formate für 10-Bit gebaut sind. Ein Log-Bild sieht direkt aus der Kamera extrem verwaschen und gräulich aus. Das ist Absicht: die Farbinformationen werden stark zusammengepresst, damit möglichst viel Dynamik in die Datei passt. In der Post ziehst du diese Farben dann wieder weit auseinander.
Und genau da liegt das Problem. Bei 8 Bit hast du nur begrenzt Farbwerte zur Verfügung. Wenn du ein zusammengepresstes S-Log-Bild aus einer 8-Bit-Kamera extrem streckst, entstehen Artefakte: Banding im Himmel, komische Farbflecken, unsaubere Verläufe. Das rettest du im Schnitt nicht mehr.
Kurz gesagt: S-Log gehört auf 10-Bit-Kameras, nicht auf die ZV-E10. Wenn du wirklich mit einer echten 10-Bit-Sony arbeitest, ist mein Artikel zu S-Log3 richtig belichten und Rauschen vermeiden der richtige Ort. Für die ZV-E10 machst du besser einen großen Bogen drum.
Welches Farbprofil nimmst du an der ZV-E10?
Das hängt davon ab, wie viel du in der Post machen willst. Hier meine drei Fälle aus dem Test:
| Dein Aufwand in Post | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Gar keine Farbkorrektur | Picture Profile 3 oder Kreativstil Portrait | Kommt fertig aus der Kamera, die Farben sind ehrlich sehr brauchbar |
| Ein bisschen Grading | Picture Profile 5 oder 6 | Farben nicht zu eng, nicht zu weit, nur leicht strecken |
| Maximaler Dynamikumfang + LUTs | HLG3 mit BT.2020 (PP10) | Höchster Dynamikumfang, sauberer 8-Bit-Look, LUT drauf, fertig |
Zu den drei Fällen im Detail:
1. Nichts machen wollen: Nimm Picture Profile 3 oder stell auf den Kreativstil Portrait. Die Farben, die da direkt rauskommen, finde ich für so ein simples Setup wirklich gut. Kein Schnittprogramm, kein Gefummel. 2. Nur ein bisschen korrigieren: PP5 oder PP6. Hier sitzen die Farben schön mittig, nicht zu komprimiert und nicht zu flau. Du gehst in Premiere Pro aufs Vektorskop, ziehst die Farben ein Stück auseinander, und gut ist. Mehr Handarbeit brauchst du nicht. 3. Voll auf Look gehen: HLG3 mit BT.2020. Das ist mein Profil. Höchster Dynamikumfang, den die Kamera in 8 Bit hergibt, und die Farben bleiben sauber.
Wenn du wissen willst, wie ich HLG3 in der Kamera belichte und danach graden lasse, geht das ausführlich in meinem Artikel zu HLG3 richtig belichten und color graden auf 8-Bit-Sony.
Warum ist HLG3 für 8-Bit-Kameras die beste Wahl?
Weil HLG3 den größten Dynamikumfang liefert, ohne dass du die Farben in der Post gefährlich weit strecken musst. Genau das ist der Unterschied zu S-Log: Bei HLG3 sind die Farben nicht so brutal zusammengepresst, also entstehen beim Bearbeiten auch keine Artefakte. Du bekommst den Vorteil eines flachen Profils, ohne die 8-Bit-Nachteile voll abzubekommen.
Ehrlich gesagt ist mein Grading damit fast langweilig einfach. Ich nutze HLG3 mit BT.2020 und knalle eine passende LUT drauf. Das ist Drag-and-drop, mehr nicht. Die eigentliche Farbkorrektur läuft mit einem Klick, statt dass ich jedes Mal manuell an den Farben schraube. Genau darum will man auf einer 8-Bit-Kamera kein Format, das viel Handarbeit verlangt.
Ein ganz cinematischer Look entsteht aber nicht nur durch das Profil. Wenn du generell auf Kino-Optik aus bist, schau dir an, wie ich das an der ZV-E10 für cinematische Videos angehe, und wie du die besten Video-Einstellungen der ZV-E10 setzt, bevor du überhaupt aufnimmst.
Reicht ein Farbprofil, oder brauchst du auch LUTs?
Das Profil ist die halbe Miete, die LUT macht den Look. Eine LUT (Look-Up-Table) ist im Grunde ein Farb-Preset, das du übers HLG3-Material legst. Sie bringt zwei Dinge: erstens die Farbkorrektur, damit das flache HLG3-Bild wieder normal aussieht, und zweitens einen Stil, mit dem du deinem Video einen Touch gibst, etwa Richtung „Ice Mint“ oder „Faded Summer“.
Wenn du das ganz sauber und wiederholbar haben willst, hilft dir zusätzlich eine Farbkalibrierung mit dem Color Checker in Premiere Pro, damit deine Ausgangsfarben stimmen, bevor die LUT überhaupt draufkommt.
Häufige Fragen
Welches Picture Profile nutzt du selbst an der ZV-E10? HLG3 mit BT.2020 auf Profil 10. Größter Dynamikumfang, saubere Farben in 8 Bit, und ich lege danach nur noch eine LUT drüber.
Warum sieht mein Log-Material so grau und flach aus? Das ist normal. Log presst die Farbinformationen zusammen, damit viel Dynamik in die Datei passt. Erst in der Post ziehst du die Farben wieder auseinander. Bei 8 Bit lohnt sich das aber nicht, weil dabei Artefakte entstehen.
Wo finde ich die Farbprofile im Menü der ZV-E10? Im ersten Reiter auf Seite 8 von 11, dort steht „Picture Profile“. Von da wählst du Profil 1 bis 10 oder deaktivierst das Profil, um auf die Kreativstile zuzugreifen.
Was ist der Unterschied zwischen Gamma und Color Mode? Gamma (z. B. HLG3, S-Log) regelt Belichtung und Dynamikumfang. Color Mode (z. B. BT.2020, Rec.709) bestimmt, wie die Kamera die Farben interpretiert. Für den Anfang änderst du nur diese zwei Werte.
Kann ich als Anfänger einfach ohne Grading filmen? Ja. Nimm Picture Profile 3 oder den Kreativstil Portrait. Die Farben kommen fertig aus der Kamera und sind für die meisten Videos absolut brauchbar.
Mein Fazit
Für die ZV-E10 als 8-Bit-Kamera ist die Sache klar: Finger weg von S-Log, HLG3 mit BT.2020 rein, LUT drauf. Willst du gar nicht bearbeiten, reicht PP3 oder Portrait. Das ist kein Hexenwerk, sondern die Wahl, die dir am Ende das sauberste Bild ohne Artefakte gibt.
Wenn du mein komplettes HLG3-Setup samt LUTs mit einem Klick übernehmen willst, statt jeden Wert selbst einzustellen: mein Sony ZV-E10 Settings-Download enthält meine Kamera-Einstellungen und die passenden LUTs für kleines Geld. Ein Klick, dein Bild sitzt.
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