Kamera-Zubehör & Gear-Guide

Field Monitor: lohnt sich das? Guide + Empfehlungen

Field Monitor Guide: lohnt sich ein externer Monitor für deine Kamera? Ich zeige dir 4 getestete Modelle von 160 bis 900 Euro und für wen sich was lohnt.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 9. August 2023 8 Min Lesezeit
TL;DR: Ein Field Monitor lohnt sich, sobald du mit der Kamera Geld verdienst oder in Log filmst. Das interne Klappdisplay ist zu klein und zu dunkel, um bei Sonne sauber zu belichten. Ein externer Monitor gibt dir Waveform, False Color, Zebras und LUTs auf einem grossen, hellen Bild. Für drinnen reichen rund 160 Euro, für pralle Sonne brauchst du 3000 Nits.

Basiert auf meinem Video: Externer Monitor (Field Monitor) für deine Kamera? JA oder NEIN? plus vier Praxis-Tests.

Stell dir vor, du filmst draussen einen Kunden bei praller Sonne. Du glaubst, du hast sauber belichtet. Zuhause legst du die LUT drauf und denkst nur noch: was habe ich da angestellt? Genau diese böse Überraschung nimmt dir ein Field Monitor ab. Ich hab in letzter Zeit vier Stück getestet, von 160 bis knapp 900 Euro, und zeig dir hier, ob sich das für dich lohnt und welchen du nehmen solltest.

Lohnt sich ein Field Monitor überhaupt?

Ja, sobald du gewerblich filmst oder in Log aufnimmst, ist ein externer Monitor fast schon Pflicht. Der Grund ist nicht mal in erster Linie die Größe. Das eigentliche Problem: fast alle Systemkameras haben ein Klappdisplay, das zu dunkel ist. Draussen knallt die Sonne drauf und du machst diese komischen Handakrobatiken, um überhaupt was zu erkennen.

Wenn du dann in Log filmst und denkst, das Bild sieht auf dem kleinen Display gut belichtet aus, kann das richtig nach hinten losgehen. Ein Field Monitor ist größer, deutlich heller und zeigt dir Werkzeuge, die dein internes Display nicht hat. Wie du in Log überhaupt sauber belichtest, hab ich getrennt für S-Log3 richtig belichten und HLG3 richtig belichten erklärt. Der Monitor ist das Kontrollgerät dazu.

Was kann ein Field Monitor besser als das Klappdisplay?

Er zeigt dir mehr, heller und präziser. Die wichtigsten Vorteile im Überblick:

1. Größe und Helligkeit. Ein grosses, helles Bild statt eines winzigen Displays. Je nach Modell reicht die Helligkeit von 450 bis 3000 Nits. 2. Waveform. Für mich das wichtigste Feature überhaupt. Du liest die Belichtung deiner Hauttöne direkt an einem Wert ab und siehst genau, wo das Bild klippt oder absäuft. Präziser als jedes Histogramm. 3. False Color. Färbt über- und unterbelichtete Stellen ein. Du musst es lesen können, dann ist es Gold wert. 4. Zebras. Meist mit mehreren Werten gleichzeitig. Blau für unterbelichtet, Grün für die Hauttöne (Level 70), Rot für überbelichtet ab 99. Sony-Kameras zeigen oft nur ein Zebra-Level auf einmal. 5. Focus Peaking. Auf dem grossen Display erkennst du viel genauer, was scharf ist. Wichtig, wenn ein Fokuspuller manuell zieht. 6. LUT-Import. Du lädst deine Conversion-LUT auf den Monitor und siehst trotz Log-Profil die echten Farben. Mehr zu Log und Farbprofilen in meinem Guide zu Sony Picture Profiles.

Ein wichtiger Praxis-Tipp zu Zebras: erst die LUT deaktivieren, dann mit den Zebras belichten, dann die LUT wieder anschalten. Aktivierst du die LUT vorher, verfälscht sie deine Zebra-Werte.

Field Monitor oder Recorder: was ist der Unterschied?

Ein reiner Field Monitor zeigt nur das Bild, ein Recorder nimmt zusätzlich auf. Und das kann drei echte Vorteile bringen.

Erstens bessere Codecs. Ein Atomos Ninja V oder Ninja V+ zeichnet in ProRes oder DNxHR auf, der V+ sogar 8K und ProRes RAW. Die Dateien sind riesig, aber sie tragen viel mehr Bildinformation und lassen sich auch auf schwachen Rechnern schneiden.

Zweitens 10 Bit aus 8-Bit-Kameras. Bei manchen Canon- und Nikon-Kameras gibt der HDMI-Ausgang 10 Bit aus, obwohl die Kamera intern nur 8 Bit kann. Und 10 Bit in Log verzeiht dir beim Belichten, du holst Schatten und Highlights zurück und dein Color Grading hat kaum Grenzen.

Drittens der Proxy-Trick. Bei Kameras wie der ZV-E10 oder A7 III verlierst du den Autofokus, sobald du die interne Proxy-Funktion aktivierst. Warum, das wissen nur Gott und Sony. Zeichnest du extern auf, läuft die Aufnahme über den Recorder und du kannst Proxys nutzen, ohne den AF zu verlieren. Als Bonus sind SSDs deutlich günstiger als die CFexpress-Karten von Sony.

Welche Field Monitore sind die besten? Meine 4 Empfehlungen

Hier die vier Modelle, die ich getestet hab, sortiert nach Einsatz. Preise sind Stand meiner Tests.

Monitor Größe Helligkeit Preis Am besten für
PortKeys PT5 II 5 Zoll 500 Nits ~160 Euro Einsteiger, Studio, leichtes Setup
Feelworld F6 Plus V2 6 Zoll 450 Nits ~161 Euro (mit Coupon) Studio, Talking Head, innen
Feelworld LUT5 5,5 Zoll 3000 Nits ~299 Euro Draussen bei praller Sonne
Osee Megamon 15 15,4 Zoll 1000 Nits ~800-900 Euro Sets, Crew, grosse Produktionen

PortKeys PT5 II: der leichte Preis-Leistungs-Tipp

Der PT5 II ist ein 5-Zoll-Monitor mit IPS-Touchdisplay, 1920×1080, 10 Bit und nur rund 130 Gramm. Das kleine Gewicht macht ihn für eine ZV-E10 fast perfekt. Betrieb über Sony NP-F, Canon-Akku oder DC. Die kleinen NP-F550 haben bei mir gefühlt den ganzen Tag durchgehalten, laut Anzeige über 200 Minuten.

Ehrlich: mit 500 Nits ist er bei praller Sonne schnell am Limit, ABER für den Preis bekommst du Waveform, Zebras, False Color, Safe Zones, Grids und LUT-Import per USB. Deshalb liegt auch ein Sonnenschutz bei. Ich hab ihn behalten und nutze ihn im Studio, mich hat er überzeugt.

Feelworld F6 Plus V2: viele Ports, wenig Geld

Der F6 Plus V2 (vertrieben über Andycine) ist ein 6-Zoll-IPS-Full-HD-Display und der Ports-König hier. SD-Slot für LUTs, DC-Eingang mit 12 Volt, DC-Ausgang mit 8 Volt und ein USB-C-Eingang mit 5 Volt. Das heisst, du kannst ihn über eine Powerbank oder dein Handyladegerät betreiben. Sowas hab ich vorher noch nie gesehen. Eine NP-F550 mit Batteriestatus-LEDs liegt bei.

Das Manko ist die Bauqualität: etwas billiges Plastik, das mir bei einem harten Sturz kaputtgehen könnte. ABER die Features sind top und der Preis liegt bei 179,99 Euro, mit 10-Prozent-Coupon effektiv rund 161 Euro. Mit 450 Nits ist er ein Studio-Gerät, draussen war es mir selbst mit Sonnenblende zu dunkel. Für Talking Heads zuhause perfekt.

Feelworld LUT5: der hellste Monitor für draussen

Wenn du draussen filmst, ist der LUT5 mein Tipp. 5,5 Zoll, ultrabreites Touchdisplay und 3000 Nits. Das Teil lässt jede Sonne im Schatten stehen. Zum Vergleich: ein Ninja V hat 1000 Nits, hier bekommst du dreimal so viel. Für rund 299 Euro sind das etwa 10 Nits pro Euro.

Betrieb über Sony NP-F, am besten eine NP-F970, ein Akku liegt nicht bei. Dazu Pass-Through-HDMI, DC-Ein- und Ausgang, LUT-Import per SD-Karte, Vectorscope, Histogramm, Parade und alle üblichen Tools. Das Gehäuse ist leichtes Plastik, aber genau das macht ihn leicht zu tragen. Wer bei Kunden im Freien dreht, kommt an dieser Helligkeit kaum vorbei.

Osee Megamon 15: der Produktionsmonitor fürs Set

Der Megamon 15 ist eine andere Liga. Ein 15,4-Zoll-Produktionsmonitor, 10 Bit Full HD, 1000 Nits, volle 100 Prozent sRGB, mit SDI-Ein- und Ausgang und V-Mount-Aufnahme. Den stellst du nicht auf die Kamera, den stellst du per Wireless-Transmitter ein paar Meter abseits ans Set, damit der Director of Photography und der Kunde alles in Gross sehen.

Genial gelöst: die Tragetasche hat eine integrierte Sonnenblende, du musst den Monitor gar nicht rausnehmen. Du kannst vier User-Profile auf die F-Tasten legen, LUTs per USB laden und Zebras oder Waveform frei belegen. Für 800 bis 900 Euro ist das günstig für die Klasse. Die drei Nachteile: nur ein HDMI-Ausgang fehlt, kein Bild-in-Bild für mehrere Kameras und kein Joystick fürs Menü.

Welcher Field Monitor ist der richtige für mich?

Das hängt davon ab, wo du filmst. Kurz zusammengefasst:

  • Nur im Studio, kleines Budget: PortKeys PT5 II oder Feelworld F6 Plus V2. Beide um 160 Euro, beide mit allen wichtigen Tools.
  • Viel draussen, pralle Sonne: Feelworld LUT5 mit 3000 Nits. Kein anderer hier kommt an die Helligkeit ran.
  • Bessere Codecs, 10 Bit, externe Aufnahme: ein Recorder wie der Atomos Ninja V oder V+.
  • Grosse Sets mit Crew und Kunde: Osee Megamon 15.

Und was ist mit Filtern, damit du bei der Belichtung überhaupt Spielraum hast? Wie ND-Filter da reinspielen, findest du im Objektiv-Filter Guide. Weiteres Zubehör rund um deine Kamera hab ich im Gear-Guide für Content Creator und speziell für die ZV-E10 im Equipment-Guide gesammelt.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Field Monitor als Anfänger?

Nicht zwingend. Solange du nur zuhause filmst und die Zeit hast, im Nachhinein zu korrigieren, reicht dein Klappdisplay. Sobald du für Kunden filmst, in Log arbeitest oder draussen bei Sonne belichtest, spart dir ein Monitor böse Überraschungen in der Postproduktion.

Wie viele Nits sollte ein Field Monitor haben?

Für drinnen reichen 450 bis 500 Nits. Für draussen willst du mindestens 1000 Nits, und bei praller Sonne sind 3000 Nits wie beim Feelworld LUT5 eine andere Welt. Weniger als 1000 Nits draussen bedeutet fast immer Sonnenblende oder Ärger.

Was ist besser: Waveform oder Histogramm?

Waveform. Ein Histogramm zeigt dir nur grob über- und unterbelichtet. Mit der Waveform liest du die Belichtung deiner Hauttöne an einem konkreten Wert ab und siehst genau, an welcher Stelle im Bild du klippst. Für mich das wichtigste Feature am ganzen Monitor.

Lohnt sich ein Recorder statt nur eines Monitors?

Nur wenn du bessere Codecs willst (ProRes, DNxHR), 10 Bit aus einer 8-Bit-Kamera holen musst oder den Proxy-Autofokus-Trick brauchst. Fürs reine Kontrollieren der Belichtung reicht ein normaler Field Monitor völlig.

Kann ich meine eigene LUT auf den Monitor laden?

Ja. Fast alle hier gezeigten Monitore laden LUTs per SD-Karte oder USB. Du kopierst deine Conversion-LUT drauf, wählst sie im Menü und siehst trotz Log-Profil die echten Farben. Ich nutze dafür eine feste Korrektur-LUT für HLG3.

Fazit und nächster Schritt

Ein Field Monitor ist das Werkzeug, mit dem du aufhörst zu raten und anfängst zu wissen, ob dein Bild sitzt. Für 160 Euro bekommst du drinnen alles Wichtige, für 300 Euro schlägst du die Sonne, und für grosse Sets gibt es den Megamon 15. Mein Rat: fang klein an, teste den PortKeys oder Feelworld im Studio und schau, wie viel dir Waveform und False Color im Alltag bringen.

Ganzes Video auf YouTube ansehen: Externer Monitor JA oder NEIN? Die einzelnen Tests findest du hier: PortKeys PT5 II, Feelworld LUT5 mit 3000 Nits, Feelworld F6 Plus V2 und Osee Megamon 15. Wenn dir das hilft, abonnier den Kanal, dann verpasst du den nächsten Praxis-Test nicht.

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Über den Autor

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Content Creator aus Frankfurt. Auf seroTech zeige ich cinematisches Filmmaking, Kamera-Technik und Color Grading — ehrlich eingeordnet aus der echten Praxis, mit Sony & DJI im Einsatz.

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