Audio fürs Video

Shure SM7B selber bauen: SM58 zu SM7B umbauen

Shure SM7B selber bauen statt 360 Euro zahlen: So baust du aus einer SM58 oder Behringer XM8500 mit 3D-Druck-Gehäuse dein eigenes SM7B für unter 150 Euro.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 29. August 2022 7 Min Lesezeit
TL;DR: Du baust dir eine Shure SM7B selber, indem du eine Shure SM58 (oder die 16-Euro-Behringer XM8500) in ein 3D-gedrucktes SM7B-Gehäuse steckst. Weil beide Mikros aus derselben dynamischen Kapsel-Familie kommen, klingt der Nachbau fast identisch, kostet dich aber unter 150 statt rund 360 Euro.

Basiert auf meinem Video: 55 Euro selbstgemachte Shure SM7B – Eine gute Alternative?

Die Shure SM7B kostet neu rund 360 Euro. Ich hab mir das gleiche Mikrofon für unter 150 Euro selbst gebaut, und im Blindtest hörst du kaum einen Unterschied. Der Trick ist kein Fake, sondern simple Physik: Die SM7B und die deutlich günstigere SM58 stammen vom selben Hersteller und teilen sich dasselbe Kapsel-Modul. Der grosse Unterschied ist am Ende vor allem das Gehäuse. Und genau das kommt bei meinem Nachbau aus dem 3D-Drucker.

Warum klingt eine selbstgebaute SM7B so gut wie das Original?

Weil die SM7B und die SM58 im Kern dasselbe dynamische Mikrofon sind. Shure baut beide, und auf der eigenen History-Seite steht schwarz auf weiss, dass beide Modelle auf demselben Kapsel-Modul basieren. Nimmst du bei der SM7B den Schaum und den Metallgrill ab, sitzt darunter eine ganz normale dynamische Kapsel am Metallgehäuse. Genau wie bei der SM58.

Der Unterschied ist nicht der Klang der Kapsel, sondern die Bauform. Die SM7B hat einen Grill mit Schaum davor, der Abstand zwischen deinem Mund und der Kapsel schafft. Die SM58 hat kaum Abstand, du sprichst fast direkt auf die Kapsel. Dieser Abstand ist der ganze Zauber, denn er entscheidet über Plosive, also die harten P-Laute bei Wörtern wie Peter, Papa oder Pickel. Baust du die SM58 in ein Gehäuse, das denselben Kapsel-zu-Grill-Abstand wie die SM7B hat, bekommst du fast denselben Sound. Mehr dazu, wie du Stimme und Ton danach im Schnitt aufwertest, findest du im Pillar-Guide zu Audio für dein Video.

Was kostet der Nachbau wirklich?

Zwei Wege, zwei Budgets. Die teurere Variante mit der SM58 klingt sehr gut, die günstige mit der Behringer XM8500 klingt für den Preis absurd gut. Hier die ehrliche Rechnung:

Bauteil Günstige Variante Bessere Variante
Mikrofon Behringer XM8500 (~16 Euro) Shure SM58 (~109 Euro neu, 60-80 gebraucht)
3D-Gehäuse (Body, Grill, Mount) ~30 Euro Druck ~30 Euro Druck
3x M4x16 Schrauben wenige Euro wenige Euro
5/8″ auf 3/8″ Gewindeadapter oft im Lieferumfang oft im Lieferumfang
Pop-/Windschutz Drittanbieter ~5-7 Euro Original SM7B ~20 Euro
Summe ~70 Euro ~150 Euro

Zum Vergleich: Die echte SM7B liegt bei rund 360 Euro. Ein kleiner Haken bei der XM8500: Auf Amazon ist die Mindestbestellmenge oft zwei Stück, du landest also eher bei rund 32 Euro fürs Mikro. Trotzdem bleibt es der günstigste Weg zu einem SM7B-Look mit ehrlich gutem Klang.

Welche Teile brauchst du für den SM7B-Umbau?

Die Liste ist kurz. Du brauchst genau diese Teile, dann bist du komplett:

1. Mikrofon – eine Shure SM58 oder eine Behringer XM8500. 2. Drei 3D-Druck-Teile – Hauptgehäuse (Main Body), Grill und Mount. Die Druckdateien lege ich dir kostenlos in die Videobeschreibung. 3. Drei M4x16 Schrauben, um alles miteinander zu verbinden. 4. Ein 5/8″ auf 3/8″ Gewindeadapter, damit das Mikro auf Stativ oder Boom-Arm passt. Liegt bei vielen Mikros schon bei, also erst mal in deinem Lieferumfang schauen. 5. Ein Pop- bzw. Windschutz – entweder der Original-SM7B-Schaum für rund 20 Euro oder ein Drittanbieter-Teil für 5 bis 7 Euro. Beide passen sauber auf den gedruckten Frontgrill.

Das Gehäuse selbst hab ich über einen Online-3D-Druck-Service drucken lassen, das hat rund zwei Wochen gedauert. Du kannst jeden Anbieter nehmen, die Dateien sind offen. Wenn du sowieso am Studio-Setup schraubst, schau dir auch meinen Aufbau von Licht und Akustik im YouTube-Studio an – ein sauberer Raum bringt beim Ton oft mehr als das teurere Mikro.

Wie baust du die SM58 ins SM7B-Gehäuse ein?

In fünf Schritten, und du brauchst kein Werkzeug ausser einem Schraubendreher. So geht der Zusammenbau:

1. Mikro einsetzen. Bei der XM8500 löst du die vorhandene Schraube, steckst das Mikro ins Hauptgehäuse und fixierst es mit der neuen Schraube. Damit verrutscht nichts. 2. Metallgrill entfernen. Den originalen Grill des Mikros abnehmen. Bei der XM8500 klebst du vorne etwas Tape auf die lose Stelle, damit nichts klappert oder wackelt. 3. Gedruckten Grill aufdrehen. Den 3D-Grill auf das Hauptgehäuse schrauben. 4. Mount anbringen. Das letzte Druckteil an die zwei verbleibenden Löcher setzen und mit den letzten beiden Schrauben festziehen. Der Gewindeadapter kommt ins Loch, und da kannst du noch einen Kugelkopf-Adapter dranhängen. 5. Windschutz drauf. Pop-Schutz aufsetzen, fertig. Ab ans Stativ oder den Boom-Arm.

Ehrlich: Der Aufbau dauert keine zehn Minuten. Der längste Teil ist das Warten auf den 3D-Druck.

Klingt der Nachbau im direkten Vergleich?

Ja, und zwar verblueffend nah dran. Im Video hab ich vier Mikros nacheinander aufgenommen: die echte SM7B, die Shure MV7 als kleinen Bruder, meine gemoddete SM58 und die 16-Euro-XM8500. Alle ohne Bearbeitung, kein Equalizer, kein Kompressor. Nur ein Cloudlifter dazwischen, der reine Verstärkung liefert, sonst nichts.

Ein wichtiger Punkt zur Lautstärke: Die echte SM7B ist extrem verstärkungshungrig, die frisst richtig Gain. Die XM8500 dagegen überhaupt nicht. Im Test klingen manche Aufnahmen dadurch lauter als andere. Lass dich davon nicht irritieren, das ist eine Frage des Pegels, nicht der Qualität. Wie du am Ende alle Spuren sauber auf dieselbe Lautstärke bringst, zeige ich dir in Audio-Lautstärke in Adobe Audition angleichen.

Ehrliche Schwäche: Das Gehäuse ist Kunststoff aus dem Drucker, nicht das massive Metall des Originals. Es ist nicht so robust und fühlt sich nicht ganz so wertig an. Aber es sitzt fest, es funktioniert, und im Klang hörst du diesen Unterschied nicht. Für den Bruchteil des Preises ist das eine richtig gute Nachahmung.

Für wen lohnt sich das DIY-SM7B?

Für dich, wenn du den SM7B-Sound und -Look willst, aber keine 360 Euro ausgeben magst. Podcaster, Streamer und YouTuber mit begrenztem Budget holen sich hier 90 Prozent des Ergebnisses für einen Bruchteil. Willst du lieber ein fertiges Mikro ohne Bastelei, ist die Shure MV7 der naheliegende Kompromiss, oder du schaust dir günstige Alternativen wie im Movo X3 II Budget-Test gegen das Sennheiser MKH416 an. Und wenn du unterwegs oder ohne XLR-Interface aufnimmst, ist ein 32-Bit-Float-Recorder wie der Zoom F3 die bessere Basis als jedes Studio-Mikro.

Häufige Fragen

Klingt eine selbstgebaute SM7B wirklich wie das Original? Sehr nah dran. SM7B und SM58 teilen sich dasselbe Kapsel-Modul, der entscheidende Faktor ist der Abstand zwischen Kapsel und Grill. Das gedruckte Gehäuse bildet genau diesen Abstand nach, deshalb sind die P-Laute und der Grundklang fast identisch.

Brauche ich einen Cloudlifter für den Umbau? Nicht zwingend, aber empfohlen. Die SM58 und erst recht die echte SM7B sind sehr verstärkungshungrig. Ein Cloudlifter (oder ein Interface mit viel sauberem Gain) hebt das Signal an, ohne Rauschen reinzubringen. Die XM8500 braucht deutlich weniger Gain.

Kann ich statt SM58 die 16-Euro-XM8500 nehmen? Ja. Die Behringer XM8500 klingt für den Preis absurd gut und passt in ein eigenes, angepasstes 3D-Gehäuse. Du landest bei rund 70 Euro für den kompletten Aufbau. Nur die Mindestbestellmenge auf Amazon beachten.

Wo bekomme ich die 3D-Druck-Dateien her? Kostenlos in der Videobeschreibung. Du kannst sie bei jedem 3D-Druck-Service oder mit eigenem Drucker ausgeben. Bei einem Online-Service dauert es je nach Anbieter ein bis zwei Wochen.

Reicht das Mikro für professionelle Aufnahmen? Für Podcast, Stream und YouTube-Talking-Head absolut. Der Klang ist studiotauglich, nur das Gehäuse ist weniger robust als beim Original. Für den täglichen Studiogebrauch am festen Platz spielt das keine Rolle.

Fazit und nächster Schritt

Der SM7B-Nachbau ist kein Gimmick, sondern eine ehrliche Budget-Lösung mit fast identischem Klang. Ein Mikro, ein 3D-Gehäuse, ein paar Schrauben, und du sparst rund 200 Euro.

Ganzes Video auf YouTube ansehen – dort hörst du den Blindtest aller vier Mikros direkt hintereinander.

Und wenn dein Ton danach noch einen Schliff braucht: Lade dir mein gratis Premiere Pro Export-Preset (0 Euro) herunter und schau dir an, wie du Stimme und Audio in Audition und Premiere Pro verbesserst. Ein gutes Mikro ist der Anfang, die Nachbearbeitung macht den Rest.

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