Basiert auf meinem Video: Ist dieses 100€ Mikrofon besser als ein Profi-Equipment? Movo X3 II im Test
Ich hab jahrelang für meine YouTube-Videos und für Kundenaufträge das teure Sennheiser MKH416 benutzt. Über 1000€ UVP, ich hab damals selbst um die 800€ dafür gelegt. Dann bin ich über das Movo X3 II gestolpert, ein Shotgun-Mikrofon für ein Achtel des Preises. Klar ist der Vergleich unfair. Aber du wirst gleich hören, dass der Abstand kleiner ist, als der Preis dich glauben lässt.
Lohnt sich der Movo X3 II Test überhaupt gegen das MKH416?
Ja, weil das Movo X3 II bei richtiger Verkabelung nah genug ans MKH416 kommt, dass es für YouTube und sogar Kundenprojekte reicht. Das MKH416 bleibt sauberer und feiner, keine Frage. Aber der Sprung von 129€ auf 800 bis 1000€ hörst du im fertigen Video nicht in dem Maß, wie der Preis es vermuten lässt.
Wichtig vorweg: Das Mikrofon wurde mir nicht gesponsert und der Hersteller hat es mir auch nicht zugeschickt. Ich hab es selbst gekauft, um es ehrlich für euch zu testen.
| Movo X3 II | Sennheiser MKH416 |
|---|---|
| Preis | ~115–150€ (offiziell 115€) |
| Typ | Shotgun / Richtmikrofon |
| Stromversorgung | 48V Phantom oder AA-Batterie |
| Hochpassfilter | 150 Hz, am Mikro schaltbar |
| Lieferumfang | Spinne, Schaumstoff, Fell, Handgriff, XLR-auf-Klinke-Kabel, Tasche |
Was steckt im Lieferumfang?
Für das kleine Geld bekommst du erstaunlich viel Zubehör mit. Beim MKH416 zahlst du den Preis fürs nackte Mikrofon, hier ist die halbe Ausstattung dabei.
Im Karton liegen:
1. Der Schockhalter (die Spinne), der Erschütterungen vom Mikroarm abdämpft 2. Ein Schaumstoff-Windschutz für innen 3. Ein Fell (Deadcat) für draußen 4. Ein XLR-auf-3,5-mm-Klinken-Kabel 5. Ein Handgriff 6. Eine Transporttasche
Dazu kannst du das Movo entweder mit 48V Phantomspeisung fahren oder mit einer AA-Batterie. Und es hat einen 150-Hz-Hochpassfilter, den du direkt am Mikrofon umlegst. Der schneidet tiefes Brummen und Trittschall raus, praktisch wenn dein Raum unten rum wummert. Finde ich für die Preisklasse richtig stark.
Wie viel rauscht das Movo X3 II?
Weniger als erwartet. Ich hab dafür alle Geräte und sogar das Licht ausgeschaltet und im dunklen Raum aufgenommen, um nur das Eigenrauschen zu messen. Eigenrauschen ist das leise Zischen, das nicht aus dem Raum kommt, sondern aus der Elektronik im Mikrofon selbst. Bei billigen Mikros ist genau das oft das Problem.
Dann hab ich die Aufnahme in der Postproduktion auf -23 LUFS normalisiert und den Rauschpegel gemessen:
- Maximales Rauschen: -40 dB
- Hauptteil: eher bei -69 dB
Für ein Mikrofon in dieser Preisklasse ist das sehr ordentlich. Damit du solche Pegel überhaupt sauber setzt, hilft es zu wissen, wie du Audio-Lautstärke in Adobe Audition angleichst und auf einen einheitlichen Wert normalisierst.
S-Laute, P-Laute und die Richtcharakteristik im Test
Ich hab dem Movo die typischen Stolperfallen vorgesetzt. Zuerst die Sibilanten, also die S-Laute. Testsatz: „Susi saß am See und sang schöne Sommerlieder. Sieben schnelle Schlangen schlängeln sich durch nasses Gras.“ Klang sauber, keine zischenden Spitzen, die einem später im Schnitt in den Ohren wehtun.
Dann die Plosive, die harten P- und B-Laute, die als Druckwelle ins Mikro knallen. „Peter packte besonders präzise Portionen Paprika in Papierpakete.“ Auch das blieb brauchbar und präsent, ohne dass jedes P den Pegel wegdrückt.
Und ich hab das Mikro einmal komplett um 360 Grad um die eigene Achse gedreht, während ich weitergeredet hab. Als Shotgun nimmt es von vorne am lautesten auf und wird zur Seite und nach hinten deutlich leiser. Man hört sauber, wie die Stimme wegfällt, sobald ich hinter dem Mikro stehe. Genau das willst du bei einem Richtmikrofon: den Sprecher vorne, den Raum drumherum ausgeblendet.
Warum bekommt das Movo so schlechte Amazon-Bewertungen?
Weil die meisten Leute es falsch anschließen. Das ist der wichtigste Punkt im ganzen Test. Wenn du auf Amazon schaust, liest du haufenweise Ein-Stern-Bewertungen, dass der Ton „unter aller Sau“ sei. Und die haben in ihrem Setup sogar recht, nur liegt es nicht am Mikrofon.
Der Ton kippt, sobald du das Movo mit AA-Batterie betreibst und über das XLR-auf-3,5-mm-Klinken-Kabel direkt in die Kamera gehst. Dann klingt die Stimme dünn, kraftlos, billig. Genau so solltest du es nicht benutzen.
Richtig klingt es so:
1. Betreib das Mikro mit 48V Phantomspeisung, nicht mit Batterie 2. Geh von XLR auf XLR, nicht auf Klinke 3. Häng einen Audio-Recorder mit Phantomspeisung dazwischen, zum Beispiel ein Zoom oder Tascam
In dieser Kette bekommst du den vollen, satten Ton, den du im Video hörst. Der Unterschied zwischen „unbrauchbar“ und „richtig gut“ ist nur ein Kabel und die Stromversorgung. Lass dich von den Ein-Stern-Bewertungen also nicht abschrecken, die meisten Käufer wussten schlicht nicht, wie man das Ding betreibt.
Wie viel bringt Post-Processing beim Budget-Mikrofon?
Sehr viel. Alle bisherigen Aufnahmen waren roh, ohne jede Bearbeitung. Und aus jedem Mikrofon holst du in der Post noch ordentlich raus, das ist auch mein Standard-Workflow. Am Ende hab ich denselben Beispielsatz mit dem Movo und dem MKH416 aufgenommen, bei beiden dasselbe Post-Processing draufgelegt und gegeneinander gestellt.
Nach der Bearbeitung wertet sich der Ton beim Movo enorm auf. Aus einem soliden Rohsignal wird eine Stimme, die im fertigen Video mithält. Wenn du wissen willst, wie so eine Kette aussieht, hab ich das im Detail unter Stimme und Audio verbessern in Adobe Audition und Premiere Pro aufgeschrieben. Gutes Rohsignal plus saubere Post, und du hast für kleines Budget ein richtig geiles Mikrofon.
Für wen lohnt sich das Movo X3 II?
Für alle, die ein günstiges Shotgun-Mikrofon für YouTube suchen und bereit sind, es richtig zu betreiben. Ich hab keine Bedenken, das Movo sogar bei Kundenaufträgen einzusetzen, solange die Kette stimmt: XLR auf XLR, 48V Phantom, ein Recorder dazu. So bekommst du für rund 120 bis 130€ einen Ton, für den du dich vor keinem Kunden schämen musst.
Ehrlich bleibt: Es ist etwas größer, die Verarbeitung reicht nicht ganz an ein High-End-Mikro heran, und der Vergleich mit dem MKH416 ist eigentlich unfair. Aber gemessen am Preis von einem Achtel ist das Movo X3 II ein Ausnahme-Deal. Wenn du gerade dein Setup aufbaust, wirf auch einen Blick in meinen Guide für günstiges Kamera-Zubehör unter 70€ und ins DIY-Projekt, ein Shure SM7B aus einem SM58 nachzubauen, wenn du eher in Richtung Sprecher-Mikro gehst. Den kompletten Überblick über Mikrofone, Recorder und Ton-Bearbeitung findest du in meinem großen Guide zu Audio fürs Video.
Häufige Fragen
Was kostet das Movo X3 II? Auf der offiziellen Herstellerseite liegt es bei 115€. Auf Amazon und anderen Shops hab ich es zwischen 129€ und knapp 150€ gesehen. Das Sennheiser MKH416 kostet zum Vergleich um die 800€, UVP sogar rund 1000€.
Movo X3 II oder Sennheiser MKH416, was soll ich kaufen? Wenn Geld keine Rolle spielt und du das letzte Quäntchen Sauberkeit willst, bleibt das MKH416 die Referenz. Für alle anderen ist das Movo X3 II der klügere Kauf, weil du 90 Prozent des Ergebnisses für ein Achtel des Preises bekommst, sofern du es richtig anschließt.
Warum klingt mein Movo X3 II so dünn und schlecht? Fast immer, weil du es mit AA-Batterie und dem XLR-auf-3,5-mm-Klinken-Kabel direkt in die Kamera steckst. Nimm stattdessen 48V Phantomspeisung und geh von XLR auf XLR über einen Recorder, dann verschwindet das dünne Klangbild.
Braucht das Movo X3 II Phantomspeisung? Es läuft wahlweise mit 48V Phantomspeisung oder mit einer AA-Batterie. Für den guten Ton solltest du unbedingt die Phantomspeisung nehmen, die Batterie-Variante über Klinke ist nur ein Notbehelf.
Reicht ein Budget-Mikrofon wie das Movo für Kundenvideos? Ja, wenn du es richtig betreibst und in der Post nachbearbeitest. Ich setze es gewissensfrei bei Kunden ein, solange die Kette aus XLR, Phantomspeisung und Recorder steht.
Mein Fazit und dein nächster Schritt
Das Movo X3 II hat mich überrascht, im Lieferumfang und beim Sound. Richtig betrieben spielt es weit über seiner Preisklasse und kommt einem 800€-Sennheiser näher, als es dürfte. Die halbe Miete ist ohnehin die Nachbearbeitung.
Und genau da hol ich dich ab: Ich hab mein Premiere Pro Export-Preset kostenlos für dich, damit dein aufgewerteter Ton auch beim Export in voller Qualität rüberkommt und nicht wieder platt gedrückt wird. Lad es dir und schnapp dir für den restlichen Feinschliff meinen Guide zu Stimme und Audio in Audition und Premiere.
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