Kamera-Zubehör & Gear-Guide

Falcam F38 Quick-Release-System im Test: lohnt es sich?

Falcam F38 Quick-Release-System von Ulanzi im Praxistest: Kamerawechsel in einer Sekunde, 15 kg Traglast, Arca-Swiss. Mein ehrliches Fazit plus F22/F38-Cage.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 26. März 2023 8 Min Lesezeit
TL;DR: Das Falcam F38 Quick-Release-System von Ulanzi nimmt deine Kamera in einer Sekunde vom Stativ oder Gimbal und klickt sie genauso schnell wieder dran. Es trägt bis 15 kg, ist Arca-Swiss-kompatibel und kostet als Set rund 39 Euro. Zwei kleine Schwächen hat es, aber ich hab mehrere Platten bestellt und will keine mehr missen.

Basiert auf meinen Videos: Das Falcam F38 Quick Release System von Ulanzi und Der schnellste Kamera-Cage für Sony A7 IV & ZV-E1

Stell dir vor, du bist auf einer Hochzeit. Der erste Tanz läuft, du hast die Kamera auf dem Gimbal, und gleich brauchst du sie freihändig auf dem Stativ. Mit einer normalen Platte schraubst du jetzt ab, setzt um, balancierst den Gimbal neu aus. Zwei, drei Minuten weg. Genau die zwei, drei Minuten, in denen der Moment passiert. Das Falcam F38 Quick-Release-System löst genau das: draufschieben, klick, fertig.

Was macht das Falcam F38 Quick-Release-System?

Das Falcam F38 hat genau eine Aufgabe, und die steckt schon im Namen: es nimmt deine Kamera in Sekunden vom Stativ, Gimbal oder Rig ab und bringt sie genauso schnell wieder an. Und mit Sekunden meine ich wirklich eine Sekunde.

Das System besteht aus zwei Teilen. Unten die Basis-Platte, die auf dein Stativ oder deinen Gimbal kommt. Oben die Schnellwechsel-Platte, die du unter die Kamera schraubst. Zum Lösen drückst du seitlich auf einen Knopf, die Kamera schiebt nach vorne und ist frei. Zum Anbringen schiebst du sie zurück, hörst ein Klicken, und zack, sie sitzt.

Der große Trick beim Gimbal: Wenn du dieselbe Platte vor und nach dem Abnehmen benutzt, musst du nichts neu ausbalancieren. Kein Abschrauben, kein minutenlanges Neu-Justieren. Du schiebst die Kamera runter und wieder drauf, das war’s. Wer schon mal einen DJI RSC 2 mitten im Dreh neu ausbalanciert hat, weiß, wie viel das wert ist.

Wie schnell ist der Kamerawechsel wirklich?

Eine Sekunde, kein Marketing-Sprech. Knopf drücken, schieben, ab. Zurückschieben, Klick, dran. Ich hab das im Video live und mit einer Hand gezeigt, weil es genau darum geht: du willst nicht rumfummeln, wenn es schnell gehen muss.

Wenn du zusätzliche Sicherheit willst, kannst du seitlich den Knopf zum Schloss-Symbol drehen. Dann löst sich nichts mehr, auch wenn du versehentlich gegen den Knopf kommst. Ehrlich gesagt: ich hab diese Funktion selten benutzt. Wenn ich es mir richtig überlege, eigentlich noch nie. Die Verriegelung hält auch ohne Schloss bombenfest.

Technische Daten auf einen Blick

Das Falcam F38 ist aus einer Aluminium-Legierung, kompakt und gut gebaut. Hier die Eckdaten aus der Praxis:

Merkmal Falcam F38
Traglast bis 15 kg
Material Aluminium-Legierung
Anschluss Basis-Platte 1/4-Zoll-Gewinde + 3/8-Zoll-Adapter
Standard Arca-Swiss-kompatibel
Preis (Set) ~39 Euro (Basis- + Schnellwechsel-Platte)
Einzelkauf Platten separat auf Amazon bestellbar

15 kg Traglast sind mehr als genug für so ziemlich jede spiegellose Kamera samt schwerem Objektiv. Durch den 1/4-Zoll-Anschluss plus 3/8-Zoll-Adapter passt die Basis-Platte auf jedes gängige Stativ. Und weil das Ganze Arca-Swiss-kompatibel ist, klemmst du es auch direkt in einen Arca-Swiss-Kopf und drehst zu. Wer den Standard nicht kennt, findet die Grundlagen im Gear-Guide für Content Creator.

Der F22/F38-Cage für die Sony A7 IV

Neben der reinen Schnellwechsel-Platte gibt es von Ulanzi auch einen kompletten Cage, und der ist für mich der eigentliche Star. Ich nutze ihn an meiner Sony A7 IV, er passt aber genauso an eine ZV-E1.

Das Besondere: der Cage kombiniert beide Falcam-Systeme. Unten sitzt ein F38-Quick-Release, plus ein F22-System. Oben hast du zwei Cold-Shoe-Mounts, links und rechts, dazu F22-Aufnahmen und 1/4-Zoll-Gewinde. Heißt: du kannst so ziemlich alles dranstecken oder anschrauben, was du brauchst.

Was ich am Cage nutze:

1. NATO-Griff aus Holz – schiebt sich oben rein, liegt mit Rillen für jeden Finger richtig satt in der Hand und fühlt sich sehr hochwertig an. 2. L-Bracket – rutscht von einer Seite rein, damit hast du oben einen sauberen Tragegriff. 3. Side-Handle – kommt über einen F22-Punkt an die Seite, praktisch fürs Filmen aus der Hüfte. 4. Base-Plate mit F38 – darüber klemmst du den ganzen Cage auf dein Stativ und löst ihn per Knopf wieder.

Kleiner ehrlicher Hinweis: bei mir ging das Rein- und Rausschieben der Griffe anfangs etwas hakelig, nicht wie durch Butter. Ich hab das Gefühl, das Teil war frisch produziert und muss ganz minimal eingeölt werden, wirklich nur ein Hauch. Nach etwas Nutzung läuft es geschmeidiger.

Warum der Cage besser steht als eine normale Platte

Ein Detail, das im Alltag mehr bringt, als man denkt: der Cage steht eben. Bei einer normalen Base-Plate unter der Kamera kippt das Ding gern nach vorne, sobald du es hinstellst, weil das Gewicht des Objektivs zieht. Beim F22/F38-Cage ist die Kamera unten flächig gehalten, sie steht plan auf dem Tisch. Für schnelle Vlog-Aufnahmen, bei denen du die Kamera einfach hinstellst und losredest, ist das Gold wert.

Dazu kommt der Hochkant-Trick. Weil auch seitlich ein F38-Quick-Release sitzt, kannst du die Kamera links oder rechts hochkant anklicken. Objektiv dran, und du filmst vertikal für Reels oder Shorts, ohne Adapter-Gebastel. Ein Klick, gedreht, weiter geht’s.

Und die Mounting-Punkte drehen nicht durch. Bei billigen Ballheads dreht sich dein angebautes Zubehör gern mit. Beim Ulanzi-System greifen kleine Pins in die Gegenseite, dein Field Monitor oder Magic Arm bleibt da, wo du ihn hinschraubst.

Ist der Cage nicht zu groß und klobig?

Nein. Ich finde die Größe genau richtig. Ein Tilta-Cage zum Beispiel ist deutlich wuchtiger, der Ulanzi liegt kompakt und gut in der Hand. Seitlich gibt es sogar eine Art Griffmulde. Ob die so gedacht ist, weiß ich nicht, praktisch finde ich sie trotzdem. Wen es stört, dort zuzugreifen, der nimmt eben das Side-Handle.

Zugang zu Akkufach, HDMI und den restlichen Anschlüssen hast du problemlos. Beim Lieferumfang gefällt mir, dass ein kleines Werkzeug dabei ist: ein Schlüssel, mit dem du die Schrauben festziehst und den du an den Schlüsselbund hängen kannst. Praktisch, denn genau das führt zum ersten Kritikpunkt.

Wo hakt es? Die zwei Schwächen

Ich lobe das System gern, aber ehrlich bleibt ehrlich. Zwei Dinge stören mich.

Erstens: die Schnellwechsel-Platte braucht ein Werkzeug. Zum Festschrauben an der Kamera brauchst du das mitgelieferte Tool, eine Münze oder etwas Ähnliches. Ich hätte mir einen ausklappbaren Ring an der Schraube gewünscht, dann geht es werkzeuglos. Die gute Nachricht: einmal fest, lässt du die Platte eh dran und schraubst sie kaum wieder ab.

Zweitens: die Platte bewegt sich am Gewinde. Wenn ich die Schnellwechsel-Platte richtig fest anziehe und dann am Stativ befestige, wandert die untere Platte immer ein kleines Stück. Ich dreh das wirklich mit dem Tool bombenfest, aber irgendwas am Gewinde scheint nicht ganz sauber zu sitzen. Kein Deal-Breaker, aber es fällt auf.

Beim Cage nervt außerdem der SD-Karten-Slot ein bisschen: die Klappe geht nicht ganz auf, weil der Cage im Weg ist. Ich krieg die SD-Karte trotzdem raus, aber es ist minimal fummelig.

Was kostet das Falcam F38 und lohnt es sich?

Zum Zeitpunkt des Videos kostet das Set aus Basis- und Schnellwechsel-Platte rund 39 Euro auf Amazon. Hast du zwei Kameras, nimmst du zwei Sets und bleibst unter 100 Euro. Einzeln geht auch: nur die Basis-Platte oder nur die Schnellwechsel-Platte, je nachdem, was du schon hast.

Genau das ist der Clou. Du kannst deine Stative und Gimbals einmal mit Basis-Platten bestücken und jeder Kamera eine Schnellwechsel-Platte verpassen. Dann wechselst du frei durch, ohne je wieder etwas an- und abzuschrauben. 20 Euro pro Platte, 40 als Set, das ist für mich nicht teuer. Bei zehn Kameras summiert sich das natürlich, klar. Wer beim Zubehör-Budget knausert, findet günstiges Kamera-Zubehör unter 70 Euro als Einstieg.

Ich empfehle das System zu 100 Prozent. Am meisten profitieren Leute mit mehreren Kameras, Stativen und Gimbals, die ständig umbauen. Für Hobby-Fotografen und -Videografen ist es angenehm, für Berufstätige auf Events, Hochzeiten oder Firmenkonferenzen ist es fast Pflicht, weil die Zeitersparnis direkt in bessere Aufnahmen fließt.

Häufige Fragen

Ist das Falcam F38 Arca-Swiss-kompatibel? Ja. Die F38-Seite ist Arca-Swiss-kompatibel, du kannst die Platte also direkt in jeden Arca-Swiss-Kopf klemmen und zudrehen. Ulanzi bietet zusätzlich eine Variante an, die auf einer Seite F38 (Arca-Swiss) und auf der anderen Seite Peak Design unterstützt.

Wie viel Gewicht trägt das F38-System? Bis 15 kg. Das reicht locker für jede spiegellose Kamera mit schwerem Objektiv oder ein komplettes Rig.

Muss ich den Gimbal nach dem Wechsel neu ausbalancieren? Nein, solange du dieselbe Schnellwechsel-Platte vor und nach dem Abnehmen benutzt. Du schiebst die Kamera einfach ab und wieder drauf, die Balance bleibt erhalten.

Passt der F22/F38-Cage nur an die Sony A7 IV? Der Cage im Video sitzt an der A7 IV, funktioniert aber genauso an anderen kompatiblen Bodies wie der Sony ZV-E1. Wichtig ist, dass die Bauform passt. Wer statt Cage lieber ein leichteres Setup will, sollte sich mein SmallRig-Cage-Setup für die ZV-E10 ansehen.

Kann ich die Platten einzeln nachkaufen? Ja. Basis-Platte und Schnellwechsel-Platte gibt es separat. So rüstest du nach und nach jede Kamera und jedes Stativ nach.

Fazit und wo du das Video siehst

Das Falcam F38 Quick-Release-System ist eins der Zubehörteile, das man nicht auf der Wunschliste hat und danach nicht mehr hergeben will. Kamerawechsel in einer Sekunde, 15 kg Traglast, Arca-Swiss, fairer Preis. Die zwei Schwächen (Werkzeug zum Festziehen, leichtes Spiel am Gewinde) sind da, wiegen den Zeitgewinn im Alltag aber nicht auf.

Wenn du regelmäßig zwischen Stativ und Gimbal wechselst, hol dir erstmal ein einzelnes Set für rund 39 Euro und teste es an deiner Haupt-Kamera. Danach willst du es an allen anderen auch. Mehr Zubehör, das sich im echten Dreh bewährt, sammle ich im Gear-Guide für Content Creator.

Ganzes Video auf YouTube ansehen – und wenn dich der komplette F22/F38-Cage an der A7 IV interessiert, hier ist das Cage-Video.

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