DJI Osmo Pocket 3

Osmo Pocket 3 Low Light: die richtigen Einstellungen

Osmo Pocket 3 Low Light richtig einstellen: warum du den Low-Light-Modus meiden, ISO auf 50-1600 begrenzen und D-Log statt Auto nutzen solltest.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 7. Januar 2024 7 Min Lesezeit
TL;DR: Nimm in Low Light NICHT den Low-Light-Modus. Der treibt die ISO jenseits von 3200 und das Bild rauscht sich kaputt. Film stattdessen im normalen Video-Modus mit D-Log, ISO auf 50-1600 begrenzt, Verschlusszeit passend zur Framerate und EV auf -0,3. Der 1-Zoll-Sensor holt so erstaunlich sauberes Footage raus.

Basiert auf meinem Video: Wie filmt man in Low Light mit der Osmo Pocket 3? Low Light SETTINGS & TEST!

Klingt paradox, ist aber so: Der Low-Light-Modus der Osmo Pocket 3 macht dein Low-Light-Footage schlechter. Ich hab das Ding abends in der Stadt durchgetestet und war selbst überrascht, wie viel sauberer das Bild wird, wenn du den Modus einfach aus lässt. Ich zeig dir hier die Einstellungen, die bei mir wirklich funktioniert haben, und warum das kleine Teil mit seinem 1-Zoll-Sensor abends besser performt, als du denkst.

Sollte ich den Low-Light-Modus der Osmo Pocket 3 benutzen?

Nein. Lass den Low-Light-Modus aus und film im normalen Video-Modus. Der Grund ist simpel: Sobald du den Low-Light-Modus einschaltest, darf die Kamera ISO-Werte jenseits von 3200 nutzen, teils rauf bis 16.000 oder 20.000. Und alles über 3200 sieht auf diesem Sensor einfach nicht mehr gut aus. Das Bild rauscht so stark, dass das Footage im schlimmsten Fall unbrauchbar wird.

Ich hab beide Varianten nebeneinander gefilmt. Im Low-Light-Modus mit Auto-ISO bis 16.000 war das Rauschen extrem. Im normalen Video-Modus mit begrenzter ISO war das gleiche Motiv deutlich sauberer. Der Modus verspricht mehr Helligkeit, aber die zahlst du mit Bildqualität, die du hinterher nicht mehr rettest.

Eine ehrliche Vorwarnung: Wenn du fast nur in Low Light filmen willst, ist die Pocket 3 nicht die perfekte Wahl. Je kleiner der Sensor, desto weniger Licht kommt rein. Für richtig kompromissloses Low-Light-Footage greifst du besser zu einem Vollformat-Sensor. ABER für ein so kompaktes Ding, das in jede Jackentasche passt, ist das, was der 1-Zoll-Sensor abends rausholt, richtig stark. Für Vlogs, B-Roll und Stadt-bei-Nacht reicht das dicke.

ISO richtig einstellen: der wichtigste Hebel

Stell die ISO manuell begrenzt ein, nicht komplett auf Auto und niemals über 3200. ISO ist quasi die künstliche Verstärkung des Signals in der Kamera. Drehst du sie hoch, wird das Bild heller, aber du holst dir Rauschen rein. Das ist genau der Deal, den du in Low Light im Griff behalten musst.

Meine Empfehlung aus dem Test:

1. ISO auf 50-1600 begrenzen (Auto-Range). So muss du nicht bei jeder Szene nachregeln und hältst das Rauschen minimal. 2. Wenn eine Szene zu dunkel wird, geh maximal bis 3200 hoch. Das ist die absolute Obergrenze für brauchbares Footage. 3. Auto-ISO ohne Grenze ist tabu. In der Innenstadt mit vielen Lichtern kann das nach oben ausreißen, und dann ist das Bild hin.

Wenn du verstehen willst, wie ISO, Blende und Verschlusszeit zusammenspielen, schau dir das Belichtungsdreieck für Fotografie-Einsteiger an. Das ist die Basis für alles, was hier kommt.

Warum D-Log statt normaler Farbraum?

D-Log gibt dir mehr Spielraum bei Belichtung und Color Grading, gerade wenn das Licht knapp ist. Ich hab den kompletten Test im normalen Video-Modus mit Farbprofil D-Log gefilmt, nicht mit dem normalen Farbraum. Beide nehmen in 10-Bit auf, aber D-Log zieht mehr Details aus den dunklen Bereichen und lässt dich hinterher freier graden.

Der Haken an D-Log: Flach und grau direkt aus der Kamera braucht es einen LUT, damit es gut aussieht. Ich nutze dafür meine eigenen LUTs, jeweils mit drei Belichtungsstärken pro Mood. Heißt: Wenn eine Szene etwas dunkler ist, wählst du einfach die hellere LUT-Variante desselben Looks. Wie du D-Log mit und ohne LUT graden kannst, hab ich in DJI Osmo Pocket 3 D-Log Color Grading Schritt für Schritt gezeigt.

Wenn du dir die LUT-Fummelei sparen willst: Meine DJI Osmo Pocket 3 D-LOG auf REC.709 + Creati LUTs bringen dir zehn fertige Moods, die genau auf das Log-Profil der Pocket 3 abgestimmt sind. Damit sieht dein Low-Light-Footage nach ein paar Klicks aus wie geplant, nicht wie ein Zufallstreffer.

EV auf -0,3: warum leicht unterbelichten hilft

Stell die Belichtungskorrektur (EV) auf -0,3. In meinen Tests hat sich gezeigt, dass D-Log lieber etwas unterbelichtet als überbelichtet wird. Wenn du in der Stadt unterwegs bist und plötzlich helle Lichter im Bild hast, verhindert das leichte Minus, dass diese Stellen ausbrennen. Ausgebrannte Lichter holst du in der Post nicht zurück, dunklere Bereiche schon eher.

Übertreib es nur nicht. Zu stark unterbelichten holt dir beim Aufhellen wieder Rauschen rein. -0,3 ist der Sweet Spot: genug Schutz vor überbelichteten Lichtern, ohne das Bild abzusaufen.

Verschlusszeit und Framerate: so vermeidest du Flackern

Koppel die Verschlusszeit immer an deine Framerate und stell in Europa auf 25 oder 50 fps. Die Regel ist einfach: Verschlusszeit = doppelte Framerate. Bei 25 fps also 1/50, bei 50 fps 1/100. Das gibt dir den natürlichen Motion Blur und zugleich genug Lichteinlass, weil die Kamera nicht wie im Auto-Modus tagsüber auf eine super kurze Verschlusszeit springt.

Beim Nachtfilmen kommt ein zweites Problem dazu: Flackern. LEDs, Straßenlaternen und Schaufensterlichter pulsieren mit der Netzfrequenz. In Europa sind das 50 Hertz, in den USA 60 Hertz (NTSC). Nimmst du hier mit 30 fps und 1/60 auf, bekommst du Flackern im Bild. Deshalb abends:

Region Netzfrequenz Framerate Verschlusszeit Anti-Flicker
Europa (PAL) 50 Hz 25 oder 50 fps 1/50 bzw. 1/100 an
USA (NTSC) 60 Hz 30 oder 60 fps 1/60 bzw. 1/120 an

Und ganz wichtig: Aktivier den Anti-Flicker-Modus in den Kamera-Einstellungen. Warum das mit den Frequenzen so ist und wie du hartnäckiges Flackern noch loswirst, erklär ich in Unterschied NTSC und PAL sowie Flackern lösen.

Weißabgleich: fixieren, nicht auf Auto lassen

Setz den Weißabgleich manuell und lock ihn fest, sonst springt dir die Farbtemperatur mitten im Clip. Auto-Weißabgleich ist in Low Light der Endgegner. Bei gemischtem Kunstlicht wechselt die Kamera ständig zwischen 3000, 4000, 5000 Kelvin hin und her, und dein Footage sieht am Ende inkonsistent aus. Das auszukorrigieren macht in der Post richtig Arbeit.

So machst du es richtig:

1. Halt die Pocket 3 auf eine neutrale Referenz (Graukarte oder weiße Fläche), Weißabgleich noch auf Auto. 2. Lies den Kelvin-Wert ab, den die Kamera errechnet. 3. Schalt auf manuell, dieser Wert wird gelockt. Fertig.

Alternativ nimmst du eine Graukarte mit ins Bild und ziehst den Weißabgleich später in der Post gerade. Vertrau dabei nicht blind dem kleinen Display der Pocket 3. So ein winziger Screen zeigt dir keine echten Farben. Was auf dem Display top aussieht, kann auf dem Rechner daneben liegen. Verlass dich auf die Werte, nicht auf den ersten Eindruck.

Die kompletten Low-Light-Einstellungen auf einen Blick

Einstellung Wert Warum
Modus normaler Video-Modus (NICHT Low Light) Low-Light-Modus lässt ISO über 3200 laufen
Farbprofil D-Log (10-Bit) mehr Spielraum bei Belichtung und Grading
ISO 50-1600 (Auto-Range), max. 3200 über 3200 rauscht der Sensor sichtbar
Verschlusszeit doppelte Framerate (z. B. 1/50 bei 25 fps) natürlicher Motion Blur + Lichteinlass
Framerate 25/50 fps (Europa) passt zu 50 Hz, kein Flackern
EV -0,3 schützt Lichter vorm Ausbrennen
Weißabgleich manuell gelockt verhindert springende Farbtemperatur
Anti-Flicker an gegen LED- und Straßenlicht-Flackern

Das sind die Basics fürs Low-Light-Setup. Die vollständige Menü-Konfiguration mit Bitrate, Auflösung und Schärfe hab ich in den cinematischen Einstellungen der Osmo Pocket 3 und im großen Osmo-Pocket-3-Einstellungen-Guide durchgespielt. Wenn du überlegst, ob sich die Kamera überhaupt für dich lohnt, hilft dir mein Osmo Pocket 3 Review und Test weiter.

Häufige Fragen

Ist die Osmo Pocket 3 gut in Low Light? Für ihre Größe ja, überraschend gut. Der 1-Zoll-Sensor holt mit den richtigen Einstellungen sauberes Footage raus. Wenn Low Light dein Hauptzweck ist, ist ein Vollformat-Sensor aber die bessere Wahl.

Welche ISO ist bei der Osmo Pocket 3 die beste für Low Light? Begrenz die ISO auf einen Auto-Bereich von 50-1600. Das absolute Maximum für brauchbares Bild ist 3200. Alles darüber rauscht zu stark.

Warum soll ich den Low-Light-Modus nicht nutzen? Weil er die ISO jenseits von 3200 bis rauf zu 16.000 laufen lässt. Das Rauschen wird dann so stark, dass das Footage im schlimmsten Fall unbrauchbar ist. Der normale Video-Modus mit begrenzter ISO sieht sauberer aus.

Welche Framerate gegen Flackern abends in Europa? 25 oder 50 fps mit passender Verschlusszeit (1/50 bzw. 1/100) und aktiviertem Anti-Flicker-Modus. Damit passt du dich an die 50-Hz-Netzfrequenz an.

Soll ich in D-Log oder im normalen Farbraum filmen? D-Log, wenn du in der Post color graden willst. Beide nehmen in 10-Bit auf, aber D-Log gibt dir mehr Reserven in den Schatten und mehr Freiheit beim Look. Dazu brauchst du dann einen passenden LUT.

Fazit und nächster Schritt

Merk dir die eine Sache: Der Low-Light-Modus ist eine Falle. Film abends im normalen Video-Modus, D-Log, ISO 50-1600, Verschlusszeit an die Framerate koppeln, EV -0,3, Weißabgleich fixieren, Anti-Flicker an. Damit holst du aus dem kleinen Sensor mehr raus als mit jedem Automatik-Trick.

Als Nächstes: Nimm dir eine Szene bei Nacht vor, stell die Werte aus der Tabelle ein und vergleich das Ergebnis selbst mit dem Low-Light-Modus. Du wirst den Unterschied direkt sehen. Wenn du dir das Graden sparen willst, sind meine Creati LUTs für die Osmo Pocket 3 der schnellste Weg zum fertigen Look. Und wenn du bei hellem Licht mehr Kontrolle über die Verschlusszeit willst, lohnt sich ein Blick in den Filter-Guide zu ND, CPL und Diffusion.

Ganzes Video auf YouTube ansehen

Passend dazu: DJI Osmo Pocket 3 D-LOG REC.709 + Creati LUTs → zum Produkt
SEROTECH LUTs
Mein Tipp dazu
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Über den Autor

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Content Creator aus Frankfurt. Auf seroTech zeige ich cinematisches Filmmaking, Kamera-Technik und Color Grading — ehrlich eingeordnet aus der echten Praxis, mit Sony & DJI im Einsatz.

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