Videografie- & Foto-Grundlagen

APS-C Objektiv an Vollformat nutzen: so geht’s (Sony)

APS-C Objektiv an Vollformat: Super 35 Modus aktivieren, Crop Faktor verstehen und wann sich der Crop-Mode lohnt. Für Foto und Video an Sony erklärt.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 3. Januar 2023 8 Min Lesezeit
TL;DR: Ja, du kannst ein APS-C Objektiv an Vollformat nutzen. An Sony E-Mount teilen sich beide Sensorgrößen denselben Anschluss. Montierst du das Objektiv, siehst du erst einen schwarzen Rand ums Bild. Aktivierst du den APS-C Super 35 Modus im Menü, verschwindet der Rand. Bei Video verlierst du praktisch keine Auflösung, bei Foto sinken die Megapixel. Für Videografen ist das ein Geschenk, für reine Fotografen eher ein Kompromiss.

Basiert auf meinem Video: Sollte man APS-C Objektive auf Vollformat machen?

Du bist von der 6000er-Reihe auf eine A7 umgestiegen und deine alten APS-C Objektive liegen jetzt in der Schublade? Wirf sie nicht weg. Du kannst sie an deiner Vollformat-Sony weiter benutzen, und in vielen Fällen ist das sogar die klügere Wahl. Ich zeig dir, wann sich ein APS-C Objektiv an Vollformat lohnt, wann nicht, und wie du den Crop-Mode richtig einstellst.

Kann man APS-C Objektive an Vollformat-Kameras nutzen?

Ja, das geht problemlos. Bei Sony haben APS-C und Vollformat denselben E-Mount, du schraubst das Objektiv also ganz normal an. Umgekehrt geht es genauso: Vollformat-Objektive laufen auch an APS-C-Kameras.

Der Haken beim ersten Versuch: Du siehst eine schwarze Silhoütte, eine Art leeren Rahmen ums Bild. Das ist normal. Ein APS-C Objektiv wirft einen kleineren Bildkreis, der den großen Vollformat-Sensor nicht komplett ausleuchtet. Die Lösung steckt im Menü. Wie das mit den Sensorgrößen genau zusammenhängt, erklär ich im Grundlagen-Artikel zu APS-C vs Vollformat vs Micro Four Thirds.

Super 35 Modus aktivieren: so verschwindet der schwarze Rand

Aktivier im Kameramenü den APS-C Super 35 Modus (auch APS-C Crop-Mode genannt). Danach ist der schwarze Rahmen weg.

Was dabei passiert: Die Kamera beschneidet das Bild und nutzt nur den mittleren Sensorbereich, also genau den Ausschnitt, den das APS-C Objektiv sauber abdeckt. Du fotografierst und filmst dann effektiv mit einem APS-C-Ausschnitt deiner Vollformat-Kamera. Bei vielen Sonys kannst du das auch auf Automatik stellen, dann schaltet die Kamera den Crop selbst an, sobald sie ein APS-C Objektiv erkennt.

Was bedeutet der Crop Faktor 1,5?

Der Crop Faktor sagt dir, wie sich der Bildausschnitt gegenüber Vollformat verengt. Bei Sony APS-C ist er 1,5. Du rechnest die Brennweite einfach mal 1,5, um den Vollformat-Bildwinkel zu bekommen.

Ein Beispiel: Ein 50mm Objektiv bleibt technisch immer ein 50mm Objektiv. Aber auf einem kleineren APS-C-Sensor zeigt es dir den Bildwinkel, den ein 75mm Objektiv an Vollformat liefern würde (50 x 1,5 = 75). Das Objektiv „zoomt“ nicht wirklich mehr, der kleinere Sensor schneidet nur enger aus. Deswegen steht in vielen Shops eine Umrechnung dabei, es wird immer auf Vollformat bezogen. Wenn dir Brennweite und Bildwinkel grundsätzlich noch schleierhaft sind, lies vorher die Objektiv-Grundlagen zu Brennweite und Blende.

Wann lohnt sich ein APS-C Objektiv an Vollformat?

Der Hauptvorteil ist simpel: Preis und Größe. APS-C Objektive sind meist deutlich kleiner und günstiger als ihre Vollformat-Pendants. Das Bokeh ist in manchen Situationen nicht ganz so cremig, aber ehrlich, in der Praxis fällt das oft kaum ins Gewicht. Drei Szenarien, die für Foto und Video gleichermaßen gelten:

1. Umstieg von APS-C auf Vollformat. Du kommst von der 6000er-Reihe und hast noch APS-C Objektive rumliegen. Nutz sie weiter und bau dir deine Vollformat-Sammlung in Ruhe auf, ohne alles auf einen Schlag neu kaufen zu müssen. 2. Kleiner und flexibler unterwegs. Mein Sigma 24-70mm ist ein Klotz und frisst Platz im Rucksack. Für Video und die gelegentlichen Fotos will ich manchmal was Kompaktes. Ein APS-C Zoom wie das Sigma 18-50mm f/2.8 oder das Zeiss 16-70mm f/4 deckt einen ähnlichen Bereich ab und ist viel kleiner. 3. Mehr Reichweite für wenig Geld. Du willst ein Megazoom, aber ein 200-600mm ist teuer und schwer. Nimm ein APS-C 70-350mm: Mit dem Crop Faktor 1,5 landest du bei bis zu 525mm Reichweite (350 x 1,5). Für Wildlife oder Sport am Budget ein starker Trick.

Welche APS-C Optik an Sony wirklich taugt, hab ich im Objektiv-Guide für Sony sortiert.

Der Nachteil bei Fotos: du verlierst Megapixel

Beim Fotografieren im Crop-Mode nutzt die Kamera nur den mittleren Sensorbereich, also fallen Megapixel weg. Wie stark das wehtut, hängt von deiner Kamera ab.

Kamera-Typ Vollformat im APS-C Crop-Mode
Standard (z.B. A7 III / A7 IV) ~24 MP ~10 MP
A7R-Serie (Resolution) sehr hoch genug Reserve, kaum Problem
A1 hoch kaum Problem
A7S III 12 MP entsprechend weniger

Das „R“ in A7R steht für Resolution, also Auflösung. Diese Bodies haben so viele Megapixel im Vollformat, dass der Crop kaum stört. Bei einer Standard-A7 gehst du dagegen von 24 auf rund 10 Megapixel runter.

Sind 10 Megapixel schlecht? Nicht unbedingt. Solange du nicht extrem reincroppst oder heftig retuschierst, reicht das locker. Für Social Media ist das mehr als genug, vor allem wenn du in RAW fotografierst und die vollen Farbdaten in der Datei behältst.

Wenn du das Budget hast und beides ernsthaft machst, ist die A7R5 oder die A1 der Sweet Spot. Du kaufst quasi zwei Kameras in einem Gehäuse: eine Vollformat und eine APS-C zugleich. Dazu kommen besserer Griff, stärkere interne Stabilisierung, zwei SD-Slots und die feine LCD-Auflösung. Genau deshalb liebe ich diese beiden Bodies.

Bei Video verlierst du fast nichts

Und jetzt der Teil, der wirklich zählt: Im Video verlierst du im Crop-Mode praktisch keine Auflösung. Wählst du an der Vollformat-Kamera 4K und schaltest den Crop-Mode dazu, nimmst du weiterhin sauber in 4K auf. Punkt.

Bei manchen Bodies wird es sogar besser. Die A7R-Serie sampelt im Super 35 Modus aus 5K herunter auf 4K (Oversampling). Ergebnis: schärfer, sauberer, rauschärmer, und das noch dazu innerhalb des Sensors. Bei A7 III und A7 IV läuft das Oversampling dagegen im Vollformat-Modus (aus 6K bzw. 7K runter auf 4K). Schaltest du hier den Crop-Mode an, fällt das Oversampling weg und du hast ein reines 4K-Bild.

Ist das schlimm? Nein. Die A7S III hat überhaupt kein Oversampling, die filmt immer in reinem 4K, und trotzdem ist sie die beliebteste Videokamera am Markt. Reines 4K sieht also top aus. Ich nutze meine A7 IV mit und ohne Crop-Mode, und ehrlich: Man erkennt den Unterschied nicht. Meine Weitwinkel-Aufnahmen sind mit der Sony 11mm F1.8 im Super 35 Modus entstanden, einem reinen APS-C Objektiv. Kein Mensch sieht da mit bloßem Auge einen Nachteil.

Ein Detail für die 60p-Fans: 4K mit 60 Bildern pro Sekunde und APS-C Objektiv geht zum Beispiel an A1 und A7R4. Bei den reinen APS-C-Bodies kann das sonst nur die FX30. Wenn du speziell an der A7 IV im Crop filmst, schau dir vorher an, welche APS-C Weitwinkel-Objektive im A7 IV Crop-Mode sinnvoll sind.

Für wen lohnt sich das jetzt?

Kurz gesagt: Machst du mehr Video, sind APS-C Objektive an Vollformat ein klarer Gewinn. Günstiger, kleiner, keine sichtbaren Nachteile. Brauchst du ein Ultraweitwinkel (16mm Vollformat-Bildwinkel), nimm zum Beispiel das Sony 10-20mm F4 G oder die Sony 11mm. Genau so hab ich es selbst gemacht.

Willst du dagegen fast nur fotografieren und dir keine Gedanken machen, bleib bei deinen Vollformat-Objektiven. Der Megapixel-Verlust im Crop-Mode ist für reine Foto-Leute der einzige echte Haken. Wie du deine A7 IV als Foto-Video-Hybrid am besten einstellst, steht im Sony A7 IV Guide. Wenn du noch am Anfang stehst, hol dir zuerst die Basics in den Videografie- & Foto-Grundlagen für Einsteiger.

Häufige Fragen

Verliere ich beim Filmen im Super 35 Modus Videoqualität? Nein. Wählst du 4K und aktivierst den Crop-Mode, filmst du weiter in 4K. Bei der A7R-Serie wird das Bild durch 5K-Oversampling im Crop sogar schärfer und rauschärmer.

Warum sehe ich einen schwarzen Rand, wenn ich ein APS-C Objektiv anschraube? Weil das APS-C Objektiv einen kleineren Bildkreis wirft und den Vollformat-Sensor nicht ausfüllt. Aktivier den APS-C Super 35 Modus im Menü, dann beschneidet die Kamera das Bild und der Rand ist weg.

Wie rechne ich den Crop Faktor um? Brennweite mal 1,5. Ein 50mm Objektiv zeigt an APS-C den Bildwinkel eines 75mm an Vollformat. Ein 70-350mm wird so zu bis zu 525mm Reichweite.

Lohnt sich ein APS-C Objektiv an Vollformat für Fotos? Nur bedingt. Im Crop-Mode sinken die Megapixel (bei einer Standard-A7 von rund 24 auf 10). Für Social Media und RAW reicht das, für starkes Croppen oder große Prints bleibst du besser bei Vollformat-Optiken. Bei A7R und A1 spielt der Verlust dank hoher Auflösung kaum eine Rolle.

Kann jede Sony 4K/60p mit APS-C Objektiv? Nein. 4K60 mit APS-C Objektiv geht zum Beispiel an A1 und A7R4, bei den reinen APS-C-Kameras sonst nur an der FX30.

Fazit und nächster Schritt

APS-C Objektive an Vollformat sind kein Notbehelf, sondern oft die schlauere Wahl, gerade für Video. Du sparst Geld und Gewicht und bekommst trotzdem sauberes 4K. Probier an deiner Sony einfach mal den Super 35 Modus mit einem APS-C Objektiv aus und vergleich das Footage selbst.

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Content Creator aus Frankfurt. Auf seroTech zeige ich cinematisches Filmmaking, Kamera-Technik und Color Grading — ehrlich eingeordnet aus der echten Praxis, mit Sony & DJI im Einsatz.

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