Objektiv-Guide (Sony)

Objektiv-Grundlagen: Brennweite, Blende & Objektivwahl

Objektiv-Grundlagen einfach erklärt: Brennweite, Blende, Fest- vs Zoom-Objektiv und welches Objektiv du für deinen Einsatzzweck wirklich brauchst.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 5. April 2023 9 Min Lesezeit
TL;DR: Die Brennweite in Millimetern bestimmt deinen Bildausschnitt, die Blende (f-Wert) steuert Licht und Bokeh. Für den Start reicht ein einziges Zoom-Objektiv wie ein 24-70mm f2.8, das fast jeden Einsatzzweck abdeckt. Willst du mehr Schärfe und stärkeren Bokeh, ergänzt du Festbrennweiten: 85mm f1.4 für Portraits, 24mm für weit.

Basiert auf meinen Videos: Alles was DU über Objektive WISSEN musst! und Welches Objektiv brauche ich?

Du willst dir ein Objektiv kaufen und stehst vor 30 Modellen mit kryptischen Zahlen. 16-35mm, f2.8, APS-C, Vollformat, Crop-Faktor. Ich nehm dir das Rauschen weg. In diesem Artikel lernst du die zwei Werte, die zählen, und danach zeig ich dir, welche Brennweite du für welchen Job brauchst. Kein Fachchinesisch, versprochen.

Was sagt die Brennweite über dein Bild aus?

Die Brennweite bestimmt, wie viel vom Motiv aufs Bild passt. Kurze Brennweite (z.B. 16mm) heisst breiter Bildausschnitt, lange Brennweite (z.B. 200mm) heisst enger Ausschnitt und mehr Zoom.

Ein Objektiv besteht aus mehreren Linsen, die zusammen das Licht einfangen und fokussieren. Der wichtige Teil für dich ist die Zahl vorne. Ich hab das im Video an der Frankfurter Skyline gezeigt: Auf 16mm siehst du die ganze Stadt, auf 35mm schon deutlich weniger. Und wenn ich mit dem Teleobjektiv von 70mm auf 200mm gehe, hol ich die Skyline so nah ran, dass nur noch ein Bruchteil ins Bild passt. Je mehr Millimeter, desto enger und näher.

Merk dir grob:

Brennweite (Vollformat) Typ Wofür
14-24mm Ultraweit / Weit Architektur, Landschaft, Vlogs
35-50mm Normal Street, Alltag, „wie das Auge sieht“
85mm Kurzes Tele Portraits, B-Roll
100-200mm Tele Sport, Tiere, starker Bokeh
400mm+ Super-Tele Wildlife, weit entfernte Motive

50mm in Vollformat entspricht ungefähr dem, was dein Auge sieht. Das ist der neutralste Blick und ein super Startpunkt.

Was macht die Blende und warum ist f1.8 nicht gleich f22?

Die Blende steuert zwei Dinge: wie viel Licht ins Objektiv fällt und wie viel von deinem Bild scharf ist (die Schärfentiefe). Kleine f-Zahl wie f1.8 heisst grosse Öffnung, viel Licht und wenig Schärfentiefe. Grosse f-Zahl wie f22 heisst kleine Öffnung, wenig Licht und fast alles scharf.

Das klingt verdreht, ist aber der wichtigste Merksatz der ganzen Fotografie. Ich hab im Video einen Baum fokussiert: Bei f2.8 verschwimmt der Hintergrund komplett, du hast diesen schönen Bokeh. Bei f11 wird der Hintergrund schon klarer. Bei f22 ist fast alles scharf. Weil bei f22 kaum noch Licht reinkommt, musst du das über die anderen zwei Werte ausgleichen: längere Verschlusszeit oder höherer ISO.

Genau das ist das Belichtungsdreieck: Blende, Verschlusszeit und ISO hängen zusammen. Drehst du an einem, musst du an einem anderen gegensteuern, sonst wird dein Bild zu hell oder zu dunkel. Wenn dir das noch fremd ist, geh vorher durch das Belichtungsdreieck für Einsteiger, das ist die Basis für alles hier.

Ein Praxis-Ding noch: Wenn du bei hellem Wetter offen mit f1.8 filmen willst, wird dein Bild schnell überbelichtet. Dagegen nimmst du einen ND-Filter, quasi eine Sonnenbrille fürs Objektiv. Welcher, steht im Objektiv-Filter-Guide zu ND, CPL und variablem ND.

Festbrennweite oder Zoom-Objektiv, was ist besser?

Für den Einstieg ist ein Zoom besser, weil es flexibel ist. Für beste Bildqualität und Bokeh gewinnt die Festbrennweite. Beide haben ihren Platz, es hängt an deinem Einsatzzweck.

Eine Festbrennweite hat eine fixe Brennweite, z.B. genau 16mm. Sie ist meist klein, leicht und hat eine grosse Blende wie f1.4. Ein Zoom-Objektiv ist variabel und deckt einen ganzen Bereich ab, von Weitwinkel bis Tele. Dafür ist es größer, schwerer und hat oft eine kleinere maximale Blende.

Ehrlich gesagt: Ein Zoom liefert nie die Schärfe und die offene Blende einer guten Festbrennweite, ABER es macht dich am Anfang schneller und du verpasst keinen Moment, weil du nicht ständig das Objektiv wechselst. Nach einem Jahr mit dem Tamron 17-70mm hab ich gemerkt, dass ich damit fauler und unkreativer wurde. Mit einer Festbrennweite bist du gezwungen, dich zu bewegen und die Szene zu lesen. Das macht dich als Filmer besser.

Wenn du dich zwischen beidem nicht entscheiden kannst, hab ich das in Festbrennweite vs Zoom-Objektiv ausführlich gegenübergestellt.

Reicht wirklich ein einziges Objektiv?

Ja. Ein gutes Zoom-Objektiv reicht als Anfänger völlig, um tolle Fotos und Videos zu machen. Es ist wie ein Schweizer Taschenmesser: Landschaft, Portrait, Nahaufnahme, alles aus einem.

Wenn du noch nicht weisst, was du brauchst, kauf ein Allround-Zoom und leg los. Die Vorteile: du wechselst nicht ständig, sparst Zeit und Platz in der Tasche, und du lernst die Brennweiten wirklich kennen, weil du im Feld ausprobierst. Der Nachteil ist die Qualität gegenüber Festbrennweiten und bei billigeren Zooms die variable Blende, die sich beim Zoomen schliesst. Für den Start ist das egal. Du kannst später immer upgraden.

Crop oder Vollformat: was der Faktor 1,5 bedeutet

Ein APS-C-Sensor (Crop) ist kleiner als ein Vollformat-Sensor. Dadurch hat dasselbe Objektiv an APS-C ein engeres Sichtfeld. Umrechnen tust du mit dem Faktor 1,5.

Konkret: Ein 16mm-Objektiv an Vollformat ist ein Weitwinkel. Setzt du dieselben 16mm an APS-C, wirkt es enger, nämlich wie 24mm. Willst du an APS-C dasselbe weite Bild wie mit 16mm Vollformat, teilst du: 16 geteilt durch 1,5 sind rund 11mm. Deshalb ist ein Sony 11mm an APS-C so ein starkes Vlogging-Objektiv, das entspricht ungefähr 16mm Vollformat.

Zweiter Punkt: Vollformat fängt bei gleicher Blende mehr Licht ein, weil der Sensor größer ist. Bei APS-C fällt also etwas weniger Licht auf den Sensor. Früher waren Vollformat-Objektive klar besser, heute sind APS-C und Vollformat qualitativ nah beieinander. Was bleibt: Crop-Objektive sind meist kompakter und leichter. Mehr zum Unterschied steht in APS-C vs Vollformat vs Micro Four Thirds.

Stabilisierung und Autofokus: worauf du beim Filmen achtest

Fürs Video zählen zwei Dinge extra: ein ruhiges Bild und schneller, sauberer Autofokus. Je länger die Brennweite, desto stärker wackelt dein Bild aus der Hand.

Es gibt zwei Arten von Stabilisierung. Die Kamera stabilisiert intern, bei Sony heisst das IBIS (In-Body Image Stabilization). Und das Objektiv stabilisiert selbst, bei Sony OSS (Optical Steady Shot). Ich hab im Video auf 200mm freihand gefilmt: ohne alles wackelt es heftig. Schalte ich nur die Objektiv-Stabilisierung dazu, wird es schon brauchbar. Und mit IBIS plus OSS zusammen liegt das Bild ruhig in der Hand. Bei langer Brennweite kannst du zusätzlich die Verschlusszeit hoch setzen, z.B. 1/1000, um Bewegung einzufrieren. Das kennst du von Sportfotografen an der Eckfahne.

Beim Fokus gilt: Für unbewegte Motive wie eine Skyline reicht der Einzelautofokus (AFS). Für Video ist der kontinuierliche Autofokus (AFC) top, weil Sonys System Augen und Gesicht erkennt und den Fokus mitzieht, wenn sich jemand bewegt. Willst du die volle Kontrolle, gehst du manuell und nutzt Focus Peaking. Alles, was rot markiert ist, liegt scharf im Bild.

Welche Brennweite brauche ich für meinen Einsatzzweck?

Fang mit einem 24-70mm f2.8 Zoom an, das deckt Weitwinkel bis kurzes Tele ab. Danach ergänzt du gezielt Festbrennweiten für Bokeh und Tele für Distanz. Hier meine ehrliche Einordnung aus der Praxis.

Der Allrounder zum Start: Das 24-70mm f2.8 gibt es von Sony, Sigma und als 28-75mm von Tamron. Damit machst du Landschaft (24mm), normale Fotos (50mm), Street (35mm) und mit dem APS-C-Crop deiner A7 IV sogar 105mm für Portraits. Wenn du nur ein Objektiv kaufst, dann dieses. Das Sony ist in der Bildmitte einen Tick schärfer, das Tamron das günstigste der drei.

Weitwinkel: Das Sony 16-35mm f2.8 ist für mich S-Level, brutal vielseitig für Vlog, Architektur und Foto, kostet aber knapp 2000 Euro. Günstiger und an APS-C stark: das Sony 10-20mm f4 G für Outdoor. Als Festbrennweite ist das Sony 11mm f1.8 an APS-C mein Liebling, das nutze ich sogar an der A7 IV im Crop-Mode zum Vloggen.

Portrait: 85mm f1.4 in Vollformat, das ist die Bokeh-Maschine für Gesichter und B-Roll. An APS-C ist das Pendant das Sigma 56mm f1.4, das wirkt wie 85mm.

Tele: Das Sony 70-200mm G-Master ist top, aber wenn du noch nie mit Tele gearbeitet hast, nimm lieber ein 70-300mm. Du hast mehr Range und schulst dein Auge für den Look bei 200 oder 300mm. Für Wildlife und weit entfernte Tiere brauchst du 100-400mm, da ist die variable Blende von f5.6 kein Problem, weil du bei langer Brennweite trotzdem starken Bokeh bekommst.

Mein APS-C-Set, das fast jeden Bereich abdeckt: 11mm, 16mm, 30mm und 56mm. Das Sigma 30mm f1.4 wirkt wie 50mm in Vollformat und steht bei mir im Regal, ein brutales Teil. Vom 24-105mm lass die Finger, so lange Zooms verlieren bei 105mm an Qualität und machen dich unkreativ.

Die volle Objektiv-Liste mit allen Empfehlungen findest du im Objektiv-Guide für Sony (APS-C und Vollformat).

Häufige Fragen

Was ist wichtiger, Brennweite oder Blende? Beides zusammen. Die Brennweite legt den Bildausschnitt fest, die Blende steuert Licht und Bokeh. Für die Bildwirkung entscheidest du erst die Brennweite (wie nah, wie weit), dann die Blende (wie viel Hintergrund verschwimmt).

Welches Objektiv sollte ein Anfänger kaufen? Ein Zoom-Objektiv wie ein 24-70mm f2.8 an Vollformat oder ein 17-70mm f2.8 an APS-C. Damit deckst du fast alles ab, lernst die Brennweiten kennen und musst nicht ständig wechseln.

Was bedeutet f1.8 oder f2.8 beim Objektiv? Das ist die maximale Blendenöffnung. Je kleiner die Zahl, desto mehr Licht kommt rein und desto stärker verschwimmt der Hintergrund. f1.8 ist top für Portraits und Low Light, f2.8 ist ein guter Allround-Wert bei Zooms.

Warum wirkt mein APS-C-Objektiv enger als angegeben? Wegen des Crop-Faktors 1,5. Ein 16mm an APS-C zeigt denselben Ausschnitt wie 24mm an Vollformat. Willst du wirklich weit, teilst du die Vollformat-Brennweite durch 1,5.

Brauche ich ein Teleobjektiv? Nur, wenn du weit entfernte Motive brauchst, also Sport, Tiere oder komprimierte B-Roll. Teles sind spezielle Werkzeuge. Wer eins braucht, weiss meist genau, wofür.

Fazit und nächster Schritt

Merk dir die zwei Werte: Brennweite ist dein Ausschnitt, Blende ist dein Licht und Bokeh. Für den Start kaufst du ein Zoom, lernst damit die Brennweiten und rüstest später gezielt mit Festbrennweiten nach. Genau in dieser Reihenfolge.

Willst du das an echten Beispielen sehen, mit Skyline, Baum und Bokeh-Vergleich? Ganzes Grundlagen-Video auf YouTube ansehen und danach direkt die Kaufberatung mit allen Objektiv-Empfehlungen. Wenn dir das geholfen hat, lass ein Abo da, dann verpasst du den nächsten Teil nicht.

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Content Creator aus Frankfurt. Auf seroTech zeige ich cinematisches Filmmaking, Kamera-Technik und Color Grading — ehrlich eingeordnet aus der echten Praxis, mit Sony & DJI im Einsatz.

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