Postproduktion in Premiere Pro

Premiere Pro Export-Problem auf M1/M2 lösen

Ruckelnde Videos und Abstürze nach dem Export? So löst du das Premiere Pro Export-Problem auf Apple M1/M2: die richtigen Encoding-Settings, die wirklich laufen.

SSerkan · seroTechContent Creator aus Frankfurt 13. August 2023 8 Min Lesezeit
TL;DR: Premiere Pro nutzt auf Apple M1/M2 kein Hardware-Encoding. Nimmst du trotzdem Hardware-Encoding mit VBR One Pass, ruckelt dein Export, du kannst nicht mehr vorspulen und Premiere stürzt beim Scrubben ab. Die Lösung, die wirklich läuft: Software-Encoding plus CBR plus Qualität auf Higher (nicht Highest). Dazu einen Gamma-Compensation-LUT beim Export, damit deine Farben stimmen.

Basiert auf meinen Videos: Das Export PROBLEM mit Premiere Pro & Apple M1/M2 Chip (MIT LÖSUNG) und Die richtigen Premiere Pro Export Settings für Apple M1/M2.

Du renderst dein Video fertig, lädst es hoch, schaust nochmal drüber und dann das: komische Artefakte im Bild, und beim Vorspulen bleibt das Bild einfach stehen. Der Ton läuft weiter, das Bild hängt 10, 15 Sekunden fest, dann schmiert Premiere ab. Ich hab genau das erlebt und ehrlich: ich war stinksauer. Ich dachte lange, mein M1 Max wäre zu schwach. War er nicht. Es liegt an Premiere Pro auf dem Mac, und die Lösung ist ein einziger Einstellungs-Wechsel.

Woran liegt das Ruckeln nach dem Export auf dem Mac?

Kurz gesagt: an Hardware-Encoding mit VBR One Pass. Genau die Kombi macht dein Footage auf Apple Silicon kaputt. Das Video ruckelt (choppy), du kannst nicht mehr scrubben, beim Pausieren oder Vorspulen stürzt Premiere ab. Es ist nicht dein Chip. Ich hab einen M1 Max, und selbst der macht bei dieser Einstellung schlapp.

Ich komm vom Windows und hab jahrelang auf einem AMD Ryzen 9 3900X mit einer RTX 2070 Super und 32 GB RAM geschnitten. Da lief jede Export-Einstellung sauber, CBR, VBR, Hardware, Software, alles kein Thema. Im Januar 2023 hab ich mir dann einen M1 Max geholt, weil ich portabel sein wollte und Motion Graphics auf Windows einfach zäh waren. Und der Mac ist beim Schneiden ein Traum: H.265-Dateien ohne Proxys, Motion Graphics laufen flüssig, Wahnsinn. Nur beim Export fing der Ärger an.

Nach ein bisschen Testen war klar: Das Problem hängt an einem einzigen Encoding-Punkt, nicht an H.265 gegen H.264 (der Container ist egal) und nicht am Chip.

Warum gibt es auf M1/M2 kein Hardware-Encoding in Premiere Pro?

Weil Premiere Pro Hardware-Encoding auf Apple Silicon schlicht nicht unterstützt. Auf dem Windows-Rechner läuft Hardware-Encoding über die GPU (bei mir eine Nvidia-Karte), und das gibt dir viel kürzere Renderzeiten. Auf dem Mac ist der Weg zu.

Du siehst das direkt in den Export-Einstellungen. Wählst du unter Performance Hardware-Encoding und dann CBR aus, springt Premiere sofort zurück auf Software-Encoding. Willst du danach wieder auf Hardware zurück, kommt eine Fehlermeldung. Übersetzt heißt das: CBR mit Hardware-Encoding geht auf M1/M2 nicht. Das Einzige, was dir Hardware-Encoding auf dem Mac lässt, ist VBR One Pass, und genau das ist der Auslöser für das Ruckeln.

Auf dem Mac fehlen dir außerdem ein paar Regler. Unter Windows kannst du bei CBR und VBR jeweils die Qualität auf Higher oder Highest stellen, egal ob Software oder Hardware. Auf macOS geht die Qualitätswahl nur bei Software-Encoding mit CBR. Es sind vielleicht nur ein Dutzend fehlende Optionen, aber die machen am Ende den Braten fett.

Die Lösung: Software-Encoding, CBR und Higher

Der Sweet Spot, der bei mir sauber läuft und den ich seit Monaten fahre: Software-Encoding, CBR und die Qualität auf Higher statt Highest. Damit kannst du dein exportiertes Video wieder normal scrubben, es gibt keine Artefakte und Premiere stürzt nicht ab.

Warum nicht Highest? Weil die Renderzeit explodiert. Ein 5-Sekunden-Clip auf Highest hat bei mir rund 5 Minuten gebraucht. Rechne das auf ein 15-Minuten-Video hoch. Ein 14-Minuten-Video lief bei mir über 12 Stunden, einmal hab ich einen Export nach über 20 Stunden abgebrochen, weil ich den Laptop zum Arbeiten brauchte. Zwischen Higher und Highest liegen Welten, und den optischen Unterschied siehst du in der Praxis kaum. Auf Windows ist das übrigens genauso.

So sehen meine Werte konkret aus:

Einstellung Mein Wert Warum
Format H.265 (HEVC) Beste Qualität; H.264 geht auch
Auflösung 4K (oder was dein Footage hat) Passend zum Quellmaterial
Framerate 23,976 fps (oder 25 usw.) So wie dein Projekt läuft
Render at Maximum Depth an Unter „Mehr“ aktivieren
Use Maximum Render Quality an Unter „Mehr“ aktivieren
Performance Software Encoding Hardware geht auf M1/M2 nicht sauber
Bitrate Encoding CBR (Constant Bitrate) Kein Ruckeln beim Scrubben
Target Bitrate 50 Mbit Faustregel: doppelte Bitrate der fps
Qualität Higher Highest kostet dich Stunden ohne echten Mehrwert

Kleiner Hinweis zur Bitrate: Die 50 Mbit kommen aus einer einfachen Faustregel. Renderst du in 25p, nimm ungefähr das Doppelte der Framerate als Bitrate, also rund 50 Mbit. Beim Profil kannst du Main, Level 5.0 und Tier auf High lassen. Bleibt das Profil auf Main, kannst du die Bitrate unten allerdings nicht beliebig weiter hochziehen.

Eine detaillierte Erklärung aller Regler und warum ich sie so setze, findest du in meinem Guide zu den besten Export-Einstellungen in Premiere Pro für 4K und 1080p.

Schritt für Schritt: dein Export auf M1/M2

1. Format auf H.265 (HEVC) stellen. Für maximale Qualität. H.264 ist die kompatiblere Alternative. 2. Auflösung und Framerate an dein Footage anpassen (z. B. 4K, 23,976 fps). 3. Auf „Mehr“ klicken und Render at Maximum Depth sowie Use Maximum Render Quality anhaken. 4. Unter Performance auf Software Encoding gehen. Hardware-Encoding ignorierst du auf dem Mac. 5. Bitrate Encoding auf CBR stellen, Target Bitrate auf ca. 50 Mbit. 6. Qualität auf Higher setzen, nicht Highest. 7. Den Gamma-Compensation-LUT auflegen (dazu gleich mehr), dann exportieren.

Was ist mit VBR One Pass, geht das nie?

Doch, aber nur in einem einzigen Fall: Wenn das Video schnell auf YouTube muss und du es sonst nirgends brauchst. YouTube reencodiert dein Video mit einem anderen Encoder, und da gibt es das Scrubbing-Problem nicht. Das Ruckeln passiert nur in deiner lokalen Datei. Willst du das Footage aber weiterverwenden, weiterschneiden oder archivieren, dann lass VBR One Pass auf Apple Silicon auf keinen Fall an. In dem Fall renderst du es lieber später nochmal sauber mit CBR und Software-Encoding.

Und ja: Ich glaube, bei DaVinci Resolve ist das kein so großes Thema. Wer viel auf dem Mac exportiert, kann sich das im Hinterkopf behalten.

Warum stimmen meine Farben nach dem Export nicht?

Weil bei H.265/HEVC-Exports ein Gamma-Shift reinkommt. Du gradest dein Bild schön, exportierst, und plötzlich sind die Farben flacher oder anders als in der Timeline. Der Fix: Du legst beim Export einen Gamma-Compensation-LUT auf, dann bekommst du die Farben aus deinem Color-Grading auch wirklich in die fertige Datei.

Ich hab dafür ein fertiges Preset gebaut, das du dir kostenlos von meiner Webseite ziehen kannst. Damit gehst du auf Nummer sicher, ohne bei jedem Export dran denken zu müssen. Wenn du beim Grading selbst noch unsicher bist, hilft dir mein Beitrag zur Farbkalibrierung mit dem Color Checker in Premiere Pro, damit die Ausgangsfarben schon vorm Export sitzen.

Den ganzen Ablauf von Log-Footage bis zum finalen Export hab ich im Postproduktions-Guide für Premiere Pro mit Color Grading, Log/HLG und Schnitt gebündelt. Das ist der Pillar, in dem alle Postpro-Themen zusammenlaufen.

Bonus: flüssiger schneiden, bevor du exportierst

Der Mac ist beim Schneiden von H.265 richtig stark, oft brauchst du gar keine Proxys. Wenn dein Rechner beim Schnitt trotzdem ins Stocken kommt, lohnt ein Blick auf meinen Proxy-Workflow für Sony-Kameras in Premiere Pro. Und wer wissen will, welche Codecs sein Material überhaupt liefert, findet die Grundlagen in Sony Video-Codecs und Aufnahmeformate erklärt. Den kompletten Weg von der Idee bis zur fertigen Datei gibt es im YouTube-Video-Workflow von der Idee bis zum Export.

Wichtig zum offiziellen Stand: Adobe listet die unterstützten Encoding-Wege in der Export-Settings-Referenz von Premiere Pro. Was in deiner Version verfügbar ist, hängt vom Update ab, also lohnt sich ein Blick, ob sich beim Hardware-Encoding auf Apple Silicon inzwischen etwas getan hat.

Häufige Fragen

Warum ruckelt mein exportiertes Video auf dem M1/M2 nur beim Vorspulen? Weil du wahrscheinlich mit Hardware-Encoding und VBR One Pass gerendert hast. Diese Kombi produziert auf Apple Silicon Dateien, die beim Scrubben hängen bleiben und Premiere zum Absturz bringen. Nimm Software-Encoding mit CBR, dann ist das Problem weg.

Kann ich auf dem Mac Hardware-Encoding in Premiere Pro nutzen? In der Praxis nein. Wählst du Hardware-Encoding und CBR, springt Premiere sofort auf Software-Encoding zurück und wirft beim Zurückwechseln eine Fehlermeldung. Übrig bleibt nur VBR One Pass, und das solltest du meiden.

Higher oder Highest, was soll ich nehmen? Higher. Highest kostet dich auf dem M1 Stunden pro Export (ein 14-Minuten-Video über 12 Stunden), während der sichtbare Qualitätsunterschied minimal ist. Higher rendert deutlich schneller und sieht praktisch gleich aus.

Welche Bitrate für den Export auf M1/M2? Als Faustregel das Doppelte deiner Framerate, bei 25p also etwa 50 Mbit als CBR-Target. Mehr Bitrate schadet der Qualität nicht, treibt aber die Dateigröße hoch.

Warum sehen meine Farben nach dem H.265-Export falsch aus? Ein Gamma-Shift beim HEVC-Export verschiebt deine Farben. Leg beim Export einen Gamma-Compensation-LUT auf (mein kostenloses Preset erledigt das), dann kommt dein Grading sauber in der fertigen Datei an.

Fazit und nächster Schritt

Das Ganze klingt nach viel, ist aber im Kern ein Griff: weg von Hardware-Encoding mit VBR, hin zu Software-Encoding mit CBR und Qualität auf Higher. Damit hast du ein Video, das sauber läuft, sich scrubben lässt und in vertretbarer Zeit fertig ist. Kein Ruckeln, keine Abstürze, keine Artefakte.

Probier die Settings beim nächsten Export einmal durch und schau dir das Ergebnis direkt danach an, dann siehst du sofort den Unterschied.

Ganzes Video auf YouTube ansehen und die genauen Klicks im Settings-Video für M1/M2 mitverfolgen. Wenn’s dir hilft, lass ein Abo da, dann bekommst du die nächsten Praxis-Tricks direkt mit.

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